Er war ein würdiger Denker. Ein Humanist, der Hölle der Unmenschlichkeit entronnen. Als der 1918 in Magdeburg Geborene mit seiner jüdischen Familie 1933 nach Frankreich floh - wo er als Bau- und Metallarbeiter tätig war -, landete der in Grenoble und Lyon im Widerstand Kämpfende, 1944 von der Gestapo verhaftet, in Barbies Foltergefängnis in Lyon. Es gelang die abenteuerliche Flucht aus dem Deportationszug - und es gelang, ab 1945 als Korrespondent deutschsprachiger Zeitungen, das geistige Abenteuer: Heinz Abosch wurde mit seinen Aufsätzen und Büchern nicht nur ein Mahner an das Vergangene. Er wurde vor allem ein emphatischer Warner vor den Irrtümern der Gegenwart.

Schon seine Analyse des selbstbestimmten Individuums als Errungenschaft der Aufklärungsepoche war nicht umzudeuten in Jubel - vielmehr sah er die Zeichen der Bedrohung: der Mensch als selbsternannter Herrscher, selbstvergottet bei Hegel und ins Debakel eines Heilssystem gesperrt bei Marx, war auch befreit zur Gefährdung. In rigoroser Denkarbeit verabschiedete Abosch die menschenverachtenden Utopien, denen er anfangs in seinem "Plädoyer für eine skeptische Kultur" die von Erfahrungen nicht abgekoppelten Visionen entgegensetzte.

Als der zeitlebens Heimatlose am 1. März 79jährig in Düsseldorf starb, hatte er eben noch sein letztes Buch "Flucht ohne Heimkehr" in Händen gehalten. Der letzte Satz lautet: "In einer unfriedlichen Welt ist Heimat auch nur eine Abstraktion".