DIE ZEIT: Fast täglich kommt es im Südlibanon zu Zusammenstößen zwischen der Hizbullah und israelischen Soldaten. Wie ist der Konflikt zu lösen?

Rafiq al-Hariri: Wie Sie wissen, hält Israel seit 1978 etwa zwölf Prozent unseres Territoriums besetzt. Die Hizbullah leistet dieser Besatzung Widerstand. Die einzige Lösung ist der bedingungslose Abzug der israelischen Armee, wie ihn die UN-Resolution 425 von 1978 verlangt.

ZEIT: Die Israelis werden nicht ohne Sicherheitsgarantien abziehen.

Hariri: Ich weiß. Aber Israel ist nicht in der Position, Forderungen zu stellen. Die Resolution 425 verlangt einen bedingungslosen Abzug, wie gesagt. Die Israelis müssen lernen, daß internationales Recht auch für sie verbindlich ist.

ZEIT: Können Sie sich vorstellen, vor den Syrern Frieden mit Israel zu schließen?

Hariri: Völlig ausgeschlossen. Wir brauchen einen umfassenden Frieden, keinen Separatfrieden. Syrien ist unser Verbündeter und hat dasselbe Problem wie wir: israelisch besetztes Land. Die Israelis haben sich wiederholt über die Amerikaner oder Europäer an uns gewandt. Warum macht ihr keinen Frieden mit uns, fragen sie, und vergeßt Syrien? Wir glauben, daß Israel ein uraltes Spiel spielt: Teile und herrsche.

ZEIT: Die Israelis haben keine territorialen Interessen im Libanon.