Jochen Buchsteiner: ". . . und kein bißchen

bissig", ZEIT Nr. 9

Meiner Generation wurde - mit Erfolg - beigebracht, alles differenziert zu sehen. Für uns gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern nur ein Einerseits und ein Andererseits. Meine Generation hat gelernt, auch den gegenteiligen Standpunkt anzuhören, auch die andere Seite der Medaille wahrzunehmen. Je differenzierter man aber einen Sachverhalt sieht, desto unfähiger wird man, für eine Ansicht zu kämpfen.

Das Rückgrat meiner Generation wurde nicht geprüft, es blieb bei ein bißchen Zivilcourage - im Kampf gegen Lehrer und in lautstarker Empörung über nazistische Äußerungen. Ermüdend. Doch eine Gesellschaft, die das Rückgrat ihrer Jugend ernsthaft prüft, ist krank. Eine Gesellschaft, die das Rückgrat jüngerer Generationen ohne Not einklagt, larmoyant.

Sven Klemm, Münster

Die 68er haben mal den Marsch durch die Institutionen begonnen.

Dort sitzen sie nun heute hoch abgesichert, verfügen Personalabbau ohne Ende, Stellenstopps allerorten und verhindern, vom Sachzwang faselnd, jegliche Strukturreform. Leider müssen wir ihnen die Renten in einer Höhe finanzieren, die für uns mal als schöne Mär in den Geschichtsbüchern stehen wird. Daß wir nicht auch noch die intellektuellen Sparringspartner abgeklärter, saturierter Systemsurfer spielen wollen, sei uns verziehen.