Seit sechs Jahren schon ist Klaus St. arbeitslos. Große Hoffnung auf bessere Zeiten macht er sich nicht mehr. "Ich kratz' ja doch bald ab." Glaubt man dem 41jährigen früheren Chemiehilfsarbeiter, dann kann er es sich mit 900 Mark Arbeitslosenhilfe für den Rest seines Lebens bestens einrichten. Klaus St. berichtet, er lebe in einer kleinen Wohnung und genieße ansonsten seine "Ruhe". Ein Idyll, das er sich freilich oft genug mit Büchsenbier schön trinken muß.

Sein Tagesablauf wird durch die Hündin Susi bestimmt, eine Mischung von Dogge und Schäferhund: Gassi gehen, ein wenig Futter besorgen.

Ohne das Tier würde St. sich vermutlich morgens überhaupt nicht mehr aus dem Bett erheben. Und ausgerechnet diese Susi - "Mein ein und alles" - soll Herr St. im November 1995 mit der Leine gewürgt und geschlagen haben. Im Herbst letzten Jahres verurteilte ihn das Amtsgericht Wandsbek bereits zu einer Geldstrafe wegen Tierquälerei. Doch der mittellose Mann hat die Kosten einer zweiten Verhandlung vor dem Hamburger Landgericht nicht gescheut, um sich von dem schlimmen Verdacht zu befreien.

"Viel ist mit mir ja nicht mehr los, aber ich bin kein Tierquäler", beteuert der aufgeschwemmte Angeklagte. "Ich liebe Susi doch."

Und was ist mit den Zeugen, die ihn belasten? "Lügen alle! Ich weiß genau, daß ich den Hund nie schlage." Susi sei sensibel und die vielen Menschen, die an jenem Tag in der Rahlstedter Fußgängerzone unterwegs waren, einfach nicht gewohnt: "Wenn man Susi schief ansieht, ist sie schon beleidigt und fängt an zu zittern."

Die Zeugin Susanne B. arbeitet in einem Büro an der Fußgängerzone.

Unangenehm aufgefallen war St. der 31jährigen Rechtsanwaltsgehilfin, weil er vormittags schon vor ihrem Fenster eine Dose nach der anderen leerte und herumkrakeelte. Tatsächlich hatte sich Klaus St. nach eigener Aussage um die Mittagszeit bereits mit zwei Liter Gersten-saft abgefüllt. Als Susanne B. dann "auf einen Sprung" ins Sonnenstudio wollte, "zerrte der Kerl immer an dem Hund rum".