Nun ist die digitale Traumehe doch geplatzt. Leo Kirch und Rupert Murdoch werden künftig ihrer eigenen Wege gehen, obwohl sie doch "von der Philosophie her" so vortrefflich zueinander passen. Das hatte man uns Skeptikern entgegengehalten, als wir den australischen Tycoon als unzuverlässigen Lebensabschnittsbegleiter bezeichnet und an einem dauerhaften Engagement bei DF 1 gezweifelt hatten (siehe ZEIT Nr. 3/1996). Wenn es um den schnöden Mammon geht, hört mediale Liebe eben doch auf. Für Murdochs britische Satellitentochter BSkyB hat sich die 49prozentige Beteiligung an Kirchs digitalem Projekt einfach nicht mehr gerechnet. Man wäre bereit gewesen, auf drei Jahre hinaus rund 500 Millionen Mark zuzuschießen. Aber der miese Start von DF 1 - gerade mal 35 000 statt der erhofften 200 000 Abonnenten - hätte einen noch größeren finanziellen Kraftakt verlangt. Dazu war BSkyB nicht bereit. Allein drastische Änderungen hätten die Murdoch-Gesellschaft noch umstimmen können - etwa ein Deal zwischen DF 1 und dem deutschen Filmkanal Premiere mit seinen 1,5 Millionen Abonnenten. Der ist nicht zustande gekommen. Statt dessen liegen Premiere und DF 1 im Clinch miteinander. Weshalb man bei BSkyB den Schlußstrich zog. Zurück bleibt verbrannte kontinentale Erde. Ob Bertelsmann, Canal Plus oder jetzt die Kirch-Gruppe - Murdoch und die Kontinentaleuropäer können einfach nicht miteinander.

Aber das muß nicht so bleiben. BSkyB schwimmt in Geld, der digitale Vormarsch Murdochs geht weiter, ob in Großbritannien, in Japan oder den USA. Währenddessen stecken die digitalen Operateure in Europa in wachsenden Schwierigkeiten, wegen zuviel Konkurrenz und zu wenigen Abonnenten. Auf Dauer dürfte der Preis für ihre verlustträchtigen Projekte fallen. Dann könnte Murdoch erneut einsteigen - zu günstigeren Konditionen.