Ein Mann der achtziger Jahre, so sah er sich. Ein Künstler mit eigenen Regeln einer, der Geschichten machte, aus allem, was er tat. Nichts, um es übers Sofa zu hängen - obwohl es dies auch gab. Alles für Aktionen, für eine "Produktion", die sich aus Bildern, Büchern, Sammlungen von Alltagskram, aber auch aus Arbeiten befreudeter Künstler zusammensetzte. Martin Kippenberger, 1953 in Dortmund geboren, in einem für Gegenwartskunst engagierten Bürgerhaus in Essen aufgewachsen, war einer der "Neuen Wilden", die spöttisch zusahen, wie sie Geld verdienten. Einer, der seine Zeit nicht damit verschwendete, den Stilen anderer hinterherzulaufen. Stil, das war er selber, und international erfolgreich konnte er zeitweise sein, weil er kannte, was er traktierte: die Kunst, das Museum, das Publikum. Besonders subversiv oder spätdadaistisch elegant waren seine Attacken nicht. Kippenberger operierte verbal und bildnerisch gern am Rande des Banalen und oft weit darüber hinaus.

Und er amüsierte mit seinen unbestreitbaren Entertainer-Qualitäten eine Kunst-Gesellschaft, die ihm das Leichte, Lockere seiner Auftritte dankte. Jetzt ist Martin Kippenberger mit 43 Jahren an Leberversagen gestorben.