Kein Make-up. Kein Lippenstift. Keine lackierten Fingernägel und auch kein bunter Fummel. Ein Mann fühlt sich als Frau und muß das nicht mit den bekannten Accessoires betonen. Zu unserer Verabredung im Berliner Kulturzentrum Podewil, wo sie in den vergangenen Wochen an ihrem neuen Programm "Lichterloh" arbeitete, kommt keine schrille Diva, sondern ein scheuer Mann in unauffälligem Outfit: Jeans, blau-weißes Hemd, dunkelblaue Trachtenjacke. Daß Georgette Dee auf der Bühne ein ganz anderes Bild von sich entwirft, darf ruhig irritieren. "Menschen verwirren ist doch schön."

Die Bühne ist für sie ein magischer Ort. Bevor Georgette Dee ihn betritt, verwandelt sie sich. Wie sie zur Diseuse wird, die ihr Publikum zwei, manchmal auch drei und mehr Stunden in rauschähnliche Zustände versetzen kann, bleibt ihr Geheimnis. Die Verwandlung findet unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt. "Das ist etwas, was niemanden etwas angeht bei meiner Arbeit", stellt sie fest und kennt die Photographen und Kamerateams, "die so geil darauf sind, diesen Moment festzuhalten. Das sind immer die alten Klamotten, daß man sagt, daß das so faszinierend ist. Aber was da passiert, das ist nicht sichtbar werdend."

Für sie ist es "einfach ein komisches Gefühl, beim Schminken beobachtet zu werden. Das ist so, als ob einer durchs Fenster ins Bett guckt."

Gegen solche Blicke wehrt sie sich. "Ich finde das schon schwierig, wie das Fernsehen heutzutage gnadenlos in Räume eindringt - und die Leute lassen es sich gefallen, das muß man dazusagen. Wenn man sieht, wie die Leute sich entblöden, ihre kleinen neurotischen Geheimnisse preiszugeben, um einmal ihre Einsamkeit loszuwerden - das ist schon verheerend."

"Ein Star will ich nicht werden, ein Glanz vielleicht", schrieb Georgette Dee in ihrem 1992 erschienenen Buch "Gib mir Liebeslied" und war da doch schon längst ein Kultstar, der immer sorgsam darauf achtet, sein Geheimnis zu bewahren. "Ich will einfach nicht, daß die Leute mir zu nah auf die Pelle rücken", erklärte sie in einem Interview. In den vergleichsweise seltenen Gesprächen mit der Presse äußert sich die Erfolgreiche dann auch immer nur knapp über Privates. Der Geburtsname von Georgette Dee bleibt tabu.

Andere biographische Angaben werden nur beiläufig mitgeteilt.

Daß sie Ende Dreißig ist, aus einem kleinen Ort bei Celle kommt, der Vater Drogist und die Mutter Gärtnerin war und sie noch vier ältere Geschwister hat, sind Randbemerkungen.