Es bleibt dabei: Unser kleiner Planet hat weiterhin - je nach Zählweise - fünf bis sieben Kontinente. Wer bei der Internationalen Tourismus-Börse in Berlin auf spektakuläre Entdeckungen spekuliert hatte, wurde in den vergangenen fünf Tagen bitter enttäuscht.

Auch Neuseeland und Neufundland sind längst altbekannt, aber, liebe Kinder, Pauschalurlaub in Lummerland mit Bahnrundreise bei Jim Knopf gibt's immer noch nicht.

Als spektakulärste Messeneuheit mußte darum auf der ITB der Auftritt von Helmut Kohl gelten, der, wie in Berlin gemunkelt wurde, demnächst nicht nur für den Euro, sondern auch für Urlaub in Deutschland die Werbetrommel rühren will. Die Deutsche Zentrale für Tourismus beabsichtigt angeblich, den Kanzler vor allem im Ausland gezielt einzusetzen.

Kohl, so heißt es in einem geheimen Dossier, eigne sich schon deshalb ideal als Werbelokomotive für die Urlaubsgebiete zwischen Ostsee und Oggersheim, weil er, so wörtlich, "im Ausland inzwischen bekannter ist als Goethe". Voraussetzung für diesen neuen Verwendungszweck des Kanzlers ist nach Einschätzung von Werbeexperten allerdings, daß Kohl seinem traditionellen Urlaubsdomizil am österreichischen Wolfgangsee öffentlich abschwört.

Neben derartigen Spekulationen geriet fast in Vergessenheit, daß auf der ITB noch 176 weitere Länder auf ihre branchenüblichen Vorzüge hinwiesen. Bei den Ägyptern posaunte ein Berliner Bläserkommando, das unter seinen pharaonenhaften Kostümen erbarmungswürdig schwitzte, den Evergreen "Brazil". Die Lautstärke hätte auch einer startenden Iljuschin zur Ehre gereicht.

Wer in diesem Jahr dorthin reisen möchte, wo die Welt noch ganz in Ordnung ist, dem bleibt vermutlich nur Montenegro. Während anderswo touristische Umweltaktivitäten im Tourismus als Etikettenschwindel entlarvt werden, präsentierte sich die jugoslawische Teilrepublik auf der ITB nonchalant "als ökologischer Staat".

In Halle 22 hatte das kleine Albanien seinen dezenten Auftritt: keine Kapellen, keine Tombola, keine Trachten, aber dafür eine schmale Broschüre, die auf die Sehenswürdigkeiten im Süden des Landes - Vlora, Saranda, Gjirokaster - hinwies. Es muß nicht nur am Sauerstoffmangel in der Halle 22 gelegen haben, daß dem kleinlauten Albanienwerber eine gewisse Hoffnungslosigkeit ins Gesicht geschrieben war.