Man sieht nur, was man weiß. Meist weiß man vorher schon, was man sehen wird. Ein Problem, mit dem sich die Werbung heutzutage verstärkt herumzuplagen hat. Alle Bilder schon besetzt wie schafft man da noch jenen kleinen Kick, der den Blick festhält, eine Sekunde nur? Nehmen wir die junge, strahlendschöne Frau mit rosig-wohlbehütetem Baby - ein beliebtes Motiv, das die Werbung vor drei Jahren entdeckte, und zwar nicht nur für Produkte wie Windeln und Gläschen. Nein: Plötzlich verkauften sich auch Strumpfhosen, Kaffee, Autos und Flugtickets mit dem Madonna-Motiv noch einmal so rasant.

Jetzt wurde doch noch mal ein Hingucker daraus. Madonna in Afrika, Süddeutsche Zeitung Magazin vom 28. Februar, Seite 25. Eine Frau in der Hocke - lackschwarzes Haar, heller Teint, bläulich geschminkte Lippen, die Nasenspitze endet mit einem kaum merklichen Schwung nach oben. Auf dem Rücken sicher festgebunden ihr Kind so rund, das Köpfchen mit dem Flaum. So proper, die kleinen Speckärmchen.

Satt und zufrieden kuschelt es sich an die Mutter. Ein Idyll - alles spricht dafür.

Archetypisch, beinahe holzschnittartig auch die Worte daneben.

"Afrika. Erde und Mutter." Ein Motto, ein Bild, das Assoziationen weckt. Nicht unbedingt idyllische. Afrika, Wiege der Menschheit.

Einerseits. Andererseits: der Kontinent der dunklen Bilder. Bilder von Frauen, die auf dem Feld arbeiten. Vierzehn bis siebzehn Stunden täglich. Unkraut hacken auf dürrem Boden. Getreide mahlen. Wasser schleppen. Holz sammeln. Kochen. Das Jüngste ist immer dabei.

Frauenarbeit eben. "Sie sind ohne Stimme, sind Besitz ihrer Männer und gelten nur etwas als Gebärerinnen", berichtete kürzlich Janet Museveni auf einem UN-Kongreß über die Verelendung der Landbevölkerung.