UNNA. - Das Sparen am Gesundheitssystem wird gravierende Folgen für die Drogenhilfe haben. Für Patienten etwa, die bislang über Drogenberatungsstellen zu mehrmonatiger Behandlung in Therapieeinrichtungen vermittelt wurden. Oft handelt es sich bei ihnen um Menschen, die seit längerer Zeit süchtig, zumeist heroinabhängig sind und die vom Drogenhilfesystem nur sehr schwer erreicht werden können.

Nur ein Angebot, das keine hohen Hürden vor ihnen aufbaut, kann dieser wachsenden Gruppe von Kranken einen Anstoß geben, damit Schaden begrenzt und Leben erhalten werden kann. Im (lückenhaften) Netz der qualifizierten Drogenentgiftung finden sich solche niedrigschwelligen Konzepte. Doch jetzt droht die Behandlungskette Motivation - Entgiftung - Entwöhnung - Nachsorge zu zerbrechen.

Die Rentenversicherungsnehmer haben mitgeteilt, sie müßten dreißig Prozent ihrer Entwöhnungsleistungen abbauen. Konsequenz in der Drogenhilfe: Rigoroser als bislang müßte unter denen ausgewählt werden, bei denen eine Therapie "sinnvoll" ist. Die Berater in der Drogenszene, die die Abhängigen häufig am besten kennen, hätten kaum noch die Möglichkeit, ihre Erfahrung einzubringen, denn die Patienten sollen den Therapieeinrichtungen über zentral verwaltete Wartelisten zugewiesen werden.

Die bisherige sinnvolle Praxis, daß die Drogenberater mit ihren Klienten zur Vorstellung in die Therapieeinrichtungen fuhren, soll gestrichen werden in einigen Bereichen ist diese Praxis sogar schon verboten. Bei diesen Terminen konnten Vorbehalte abgebaut und manche Probleme gar schon gelöst werden.

Bislang begleiteten die Drogenberater ihre Klienten von der stationären Entgiftung zu den Therapiezentren. Sie gewährleisteten dadurch, daß die Klienten clean dort eintrafen. Nun kann es geschehen, daß die Klienten auf dem Weg von der Entgiftung zur Entwöhnung rückfällig werden und von den Therapieeinrichtungen abgewiesen werden. Die Vorstellung, eine abstinente Lebensführung müsse nach zweiwöchiger Entgiftung möglich sein, so daß die Klienten clean in den Therapiestätten ankommen, geht an der Realität vollkommen vorbei. Es geht bei ihnen um massiv suchtkranke Menschen, die zumeist unter weiteren psychischen und physischen Begleiterkrankungen leiden.

Bei einer restriktiveren Vergabe von Therapieplätzen fallen vor allem diejenigen durch das soziale Netz, die mehrfache Therapieanläufe nicht zu Ende bringen konnten. Dabei finden doch immer wieder auch solche Patienten den Weg aus der Abhängigkeit, denen man eine schlechte Prognose gab. Es muß deshalb weiterhin möglich sein, niedrigschwellige Angebote zum Ausstieg aus der Abhängigkeit anzubieten.

Natürlich muß heutzutage gespart werden. Das Drogenproblem wird sich aber nicht dadurch lösen lassen, daß heilende Maßnahmen nur noch den hoffnungsvollen Patienten zuteil werden. Die anderen Kranken werden dadurch nicht verschwinden. Sie werden, solange sie noch leben, anderweitig Kosten verursachen. Auch diese Erfahrung sollte beachtet werden.