NÜRNBERG. - Ein unwürdiges Schauspiel fand sein unwürdiges Ende: Nachdem wochenlang ein halbes Dutzend Namen für die Ehrenbürgerschaft der Stadt auf dem offenen Markt gehandelt worden war, wurden in der vergangenen Woche fünf von ihnen mit diesem Titel ausgezeichnet.

Der prominenteste freilich fiel durch: Hermann Glaser, mehr als dreißig Jahre Kulturreferent der Stadt und in den siebziger Jahren neben Hilmar Hofmann bundesweit Exponent einer bürgernahen, fortschrittlichen Kulturpolitik, fand keine Mehrheit. Ein unrühmliches Verdienst vor allem der CSU, die dem ungeliebten Sozialdemokraten ihre Stimme verweigerte - und damit wohl so manche offene Rechnung beglich.

Die Hauptschuld an der Peinlichkeit trifft freilich die SPD, die Glaser in ein offenbar aussichtsloses Rennen schickte. Sie agiert noch immer, als sei sie die stärkste Macht im Rat - eine Selbstherrlichkeit, die ihr vor genau einem Jahr eine herbe Wahlniederlage eingebracht hatte.

Nachträglich will es nun freilich keiner gewesen sein. Offiziell, etwa in der bemerkenswerten kargen Meldung des städtischen Presseamtes, wird so getan, als sei Hermann Glaser zu der Ehrenbürgerwahl gar nicht angetreten. Lediglich die letztendlich Gekürten werden da noch genannt. Auch die CSU selbst scheint mit ihrem "Sieg" nicht so recht glücklich zu sein. Unermüdlich werden von ihr die Verdienste der beiden Unternehmer Theo Schöller und Karl Diehl um die Arbeitsplätze in der Region herausgestellt, als sei das das einzige Kriterium für eine Auszeichnung. Und spätestens wenn es demnächst wieder darum geht, wer denn die Stadt überregional als Werbe- und Sympathieträger repräsentieren könnte, werden sich die Christsozialen wieder an Glaser erinnern. Ein Eiscremefabrikant wie Theo Schöller wird es da wohl allein nicht richten können.

Glaubt man den Nürnberger Nachrichten, dann hat das ganze Gezerre um die Ehrenbürgerwürde die Bürger ohnehin nur wenig bewegt. "Es gibt wichtigere Themen", hieß es da in einer Umfrage und eine ältere Dame interessierte sich lediglich für die Frage, was die Ehrenbürger wohl künftig für Vergünstigungen genießen werden.

Wie dem auch sei: Wenn - aus Gründen kleinlicher Parteiraison - der Prophet in der eigenen Stadt nichts gilt, dann stellt sich ebendiese ein Armutszeugnis aus. Die Nürnberger ehren keinen, sie hätten ihn denn!