Alles sah danach aus, als sei der Patient außer Lebensgefahr: Die Operation in der Münchner Universitätsklinik war glimpflich verlaufen, die entzündete Bauchspeicheldrüse entfernt. Doch nur kurze Zeit später stieg die Körpertemperatur des Mannes - in seiner Bauchhöhle wucherten Bakterien. Die Ärzte verabreichten ein Antibiotikum.

Das Fieber stieg. Die Mediziner probierten ein anderes Antibiotikum.

Aber der Erreger war nicht zu stoppen, auch alle weiteren Antibiotika versagten.

Von der Außenwelt durch einen Glaskasten abgeschottet, ringt der Patient mit dem Tod. Ärzte und Pfleger streifen beim Verlassen der Isolierkammer Kittel, Handschuhe und Mundschutz ab - "Sicherheitsstufe 2". Durch ständig wechselnde Antibiotika hat sich im fiebergeschüttelten Körper des Kranken Pseudomonas aeruginosa milliardenfach vermehrt, ein resistentes Bakterium, das nun auf die ganze Intensivstation überzuspringen droht.

Knapp siebzig Jahre, nachdem der Schotte Alexander Fleming Penicillin entdeckte, beobachten Ärzte hilflos, wie ihre Wunderwaffen stumpf werden. Über Jahrzehnte haben sie sorglos Antibiotika verschrieben und die Erreger zu immer neuen Überlebensstrategien getrieben.

Die Keime drohen nun den Wettlauf gegen die ärztliche Kunst zu gewinnen.

Antibiotika kommen schon lange nicht mehr nur aus der Apotheke.