Heute heißen sie Hans Berger, Fritz Kollorz und Klaus Südhofer, damals waren es Friedrich Bunte, Ludwig Schröder und August Siegel.

Damals - das war 1889 während des großen Bergarbeiterstreiks.

Da traten die Abgesandten der Bergleute in Berlin vor ihren Landesherrn, Kaiser Wilhelm II. Sie erbaten seine Hilfe gegen die Willkür der Zechenherren. Der Kaiser half ihnen nicht, aber schon die Audienz galt als ein Erfolg.

Die Schwelle zur Audienz ist heute weitaus niedriger. Niemand wundert sich darüber, daß Bundeskanzler Helmut Kohl mit Hans Berger, dem Vorsitzenden der Bergarbeitergewerkschaft, und seinen Vorstandskollegen verhandelt. Und es gehört zur Normalität, daß die Abgesandten der Bergleute weniger demütig vor dem Kanzler stehen als ihre Vorgänger vor dem Kaiser. Aber auch diesmal haben die Bergleute die höchste Instanz angerufen und ein Machtwort des Kanzlers verlangt, die geplante Subventionskürzung zu revidieren und damit ein forciertes Zechensterben zu verhindern.

Anno 1889 warteten die Bergleute an der Ruhr voller Ungeduld darauf, was ihre Delegation aus Berlin mitbringen würde. Diesmal sind die Kumpel ihrer Delegation vorausgeeilt, sie belagerten am Wochenanfang das Regierungsviertel. Doch nachdem die Nachricht die Runde machte, daß der Kanzler das Dienstagstreffen abgesagt und auf Donnerstag dieser Woche verschoben hatte, weil er nicht unter Druck verhandeln wolle, baute sich der Druck erst richtig auf. "Wir müssen jetzt draufhauen, wir müssen die gefügig machen", ereiferte sich ein aufgebrachter Bergarbeiter. Der IG-Bergbau-Chef beschwor die Kumpel, die Demonstration zu beenden und in die Reviere zurückzukehren.

Für die Bergleute war das nicht leicht. Seit November vergangenen Jahres warteten sie auf eine Entscheidung, aber der Kanzler hatte sich immer wieder davor gedrückt. Dabei wußte Helmut Kohl von Anfang an, daß es mit einfachem Aussitzen nicht getan war. An Ruhr und Saar hatte man für die Verzögerungstaktik des Kanzlers zunächst sogar Verständnis aufgebracht. Kohl wolle, so wurde sein Zaudern wohlwollend interpretiert, offenbar erst die Steuer- und die Rentenreform hinter sich bringen und dem Koalitionspartner FDP somit die Möglichkeit nehmen, die Kohlehilfe mit diesen Themen zu verquicken.

Seit langem war auch den Bergleuten klar, daß nicht alle ihre Wünsche in Erfüllung gehen konnten. Ihre eigene Gewerkschaft war es, die sie aus ihren Träumen von einer sicheren Zukunft im Bergbau riß. Gemeinsam mit den Bergbauunternehmen hatte die Gewerkschaft einen Plan zum Abbau der Subventionen vorgelegt, dem jeder zweite der verbliebenen 90 000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen sollte.