Erschreckend schnell sammeln sich die Opfer des retardierenden Marktmoments. 4,7 Millionen stehen auf dem Denkzettelchen, und nichts deutet darauf hin, daß es bald weniger werden. Das sind bedrohliche Zahlen. Über andere, kaum minder bedrohliche, wird weniger Aufhebens gemacht. Die Zahl der Arbeitslosen steigt, aber die der Fernsehzuschauer sinkt. Natürlich nicht absolut, nur relativ gesehen, aber sie sinkt.

Wo immer mehr TV-Kanäle immer mehr Publikum verbrauchen, da können auch die engagierten Beschwichtigungen der Marktanteilseigner nicht darüber hinwegtäuschen: Es gibt einfach zu wenig Zuschauer.

Da hilft kein Wehklagen, da muß man wacker Opfer bringen.

Das derzeit prominenteste Opfer der kurrenten Flaute heißt ungerechterweise Margarethe Schreinemakers. Beschämend nicht nur, daß diese schwache Frau, die uns die Opferperspektive zur natürlichen Sehweise werden ließ, nun zwischen rücksichtslos zuschauerheischenden Fernsehprogrammen zermalmt wird, sondern vor allem, daß dies so hämisch und pietätlos vor sich geht.

Denn spotten wollen wir nicht. Riesiges Mitgefühl und totalen Verzicht auf den sonst so medienüblichen Zynismus, das haben wir doch bei ihr gelernt! Jetzt heißt es beistehen in schwerer Zeit.

Margarethe braucht jeden Mann, Frauen und Kinder sowieso.

Ihre Erfolgsgeschichte im deutschen Fernsehen ist einzigartig, und das ist vielleicht sogar gut so. Sie wurde bettelarm geboren, kam aus dem Nichts der großen Funkhäuser, glühte auf im Scheinwerferlicht der menschlich Privaten und - ja was eigentlich? Erlosch? Von wegen! Das hätten sie nun alle gerne, darauf warten sie doch nur, diese dampfgebügelten Ankermänner und blondierten Infotainerinnen, diese ehrgeizzerfressenen Geld- und Quotenneider. Dabei verdanken sie ihr doch alles!