Als Shakespeare seine Stücke schrieb, war Englisch noch in den Flegeljahren, und wenn ihm ein Wort gut gefiel, schrieb er es einfach hin, egal, ob es das Wort schon gab oder nicht, und niemand fragte: "Wie jetzt . . . Bratzgitarre?"

Es ist ja nicht so, daß mich diese R&J-Inszenierung völlig kalt erwischt hätte - o nein, 1962 habe ich das Stück durchaus schon mal gesehen, in Dubrovnik, im Rahmen der Dubrovacke Ljetne Igre, auf der Tvrdjava Lovrjenac, wo ich bereits "Chamlet, Danski Kraljevic" genossen hatte, der während der unerträglichen Leichtigkeit des Seins oder Nichtseins vollends zur Konsonantenschleuder wurde, eben zu Chamlet, danski Krawalljewitsch, und am Schluß, wenn Fortinbras die Festung berennt (und nich ts anderes - Festung - heißt "Tvrdjava" es war also alles 1 : 1), erklangen aus drei echten Kanonen drei echte Kanonenschüsse, und zwar

BUMM!

BUMM!

BUMM!

so daß man im weiteren Verlauf des dubrovnizianischen Nachtlebens die Leute, die im Theater gewesen waren, ganz leicht daran erkannte, daß sie aufeinander einbrüllten wie am Spieß, weil Fortinbras sie mit Taubheit geschlagen hatte. Hamlet mit Flak.

Über Nacht nahm dann das Londoner Old Vic unter der Regie von Franco Zeffirelli Dubrovnik in Besitz. Das merkte man zuerst an den vielen ungewöhnlich gutaussehenden jungen Briten, die ein ungewöhnlich leichtverständliches Englisch sprachen und ungewöhnlich gut gelaunt waren. Singend saßen sie in der alten, ringelspielartigen k. u. k. Straßenbahn, und als ein Auto seitwärts von der Fahrbahn kippte, sprangen sie ab und hoben es - "Heave-ho!" - perfekt choreographiert wieder zurück.