Unix hat in vielerlei Hinsicht einen Hang zum Jenseits. Kein anderes Betriebssystem etwa ist so oft totgesagt worden wie dieses. 1969 geboren, ist Unix aber noch heute weit verbreitet; unter dem Namen Linux erlebt es gar einen zweiten Frühling, denn an dieser Variante programmiert eine Fangemeinde ohne Rücksicht auf Firmenstrategien, und das Ergebnis wird einfach verschenkt.

Der Club der kommerzfeindlichen Unix-Freunde hat von jeher einen morbiden Humor: Als einst der Telephonkonzern AT&T Unix zum eingetragenen Warenzeichen machte, damit sich diese Entwicklung seiner Forscher endlich bezahlt mache, taufte die Nutzergemeinde das vorgesehene Emblem "Todesstern". Später wanderte ein wichtiger Zweig der Unix-Entwicklung zum Softwarehersteller Novell, der sich gerade ein trapezförmiges Logo zulegte - das prompt den Schimpfnamen "Fleck des Todes" bekam. Heute lebt Unix in seiner kommerziellen Variante unter dem Schirm von SCO, einer Firma mit einem Baum als Markenzeichen. Klar, daß er bei den Unix-Fans nur "Todesbaum" heißt.

AT&T wählte als Warennamen die Großschreibung UNIX, weil die technischen Beschreibungen des Betriebssystems zu Urzeiten auf einem Drucker produziert wurden, der keine Kleinbuchstaben zu Papier brachte. Das trieb seither allerhand Leute zu dem Versuch, die vermeintliche Abkürzung aufzulösen, obwohl der Name Unix nichts weiter ist als ein Wortspiel auf die Vorgängerversion Multics.

Dieses Detail könnte noch rechtliche Probleme bringen. Neuerdings gibt es nämlich auch Unix kleingeschrieben als eingetragenes Warenzeichen. Es wurde Ende vergangenen Jahres dem Chemiekonzern Novartis zugeschlagen, der ein Pflanzenschutzmittel so getauft hat. Auf den Namen kam jemand bei Novartis, als er von den letalen Wirkungen eines Unix-Programmvirus las.

Wohl keine andere Firma hat Unix so oft für tot erklärt wie Microsoft. Dem Herrscher über das Reich der PC-Software steht Unix seit dem Aufstieg des Internet massiv im Wege; immerhin läuft die Mehrheit der Server im Netz mit Unix (in welcher Variante auch immer).

Microsoft versucht deshalb auf allen Ebenen, eigene Lösungen im Netz zu etablieren. Womit die Firma in den vergangenen Wochen immer wieder ins Gerede kam, ist ihre Softwaretechnik ActiveX. Sie soll multimediale Dokumente mit Text und Graphiken und Video problemlos übers Netz übertragen und jedermann mit ihnen arbeiten lassen. Vor kurzem zeigten deutsche Computertechniker die Sicherheitslücken, die sich für einen Nutzer auftun, der ActiveX-Teile einfach bedenkenlos aus dem Netz auf seinen PC holt; da ist weiterhin Vorsicht ratsam.