Orangen und Äpfel, vielfach gespiegelt, Bananen und Birnen unter grünen Markisen, Salat und Kartoffeln in klarem Licht - ein kleines Paradies gleich zu Anfang. Geschaffen hat es Dieter Brinkmann, oberster Ladendesigner in der Dortmunder Firmenzentrale der co-op-Kette. Mit dem vegetarischen Feuerwerk der Farben und Formen am Eingang will er seine Kunden bremsen. Schließlich hätten die noch ihren Straßenschritt in den Beinen, "und mit dem", sagt Brinkmann, "würde jeder auf den ersten zehn Metern an normalen Regalen vorbeirennen".

Auf diesem duftenden Marktplatz aber bleiben die Kunden stehen, drehen einen der roten Äpfel in der Hand und denken: So etwas gibt es beim Discounter nicht. Das ist das "Frische-Signal", wie Designer Brinkmann es nennt. Nur noch mit Obst und Gemüse könne sich ein klassischer Supermarkt abheben von der immer stärkeren Billigkonkurrenz mit ihren eingeschweißten Gurken.

Ein sanfter Sog zieht den Kunden den langen Gang hinunter in die Tiefe des Raumes, wo ganz hinten der Schinken wartet. Links fächern sich die ersten Regale quer zur Laufrichtung auf. Hier stehen die teuren Artikel immer in jenen Reihen, denen die Kunden entgegenlaufen, die preiswerten liegen in ihrem Rücken. Den Diäthonig sieht man sofort, den anderen nicht.

Aber die meisten bleiben ohnehin im Hauptgang, wo sie erst das Feinkostregal passieren müssen, um zur Milch zu gelangen, die vier von fünf Kunden kaufen. Direkt nebenan lockt ein Becherlein Mousse au chocolat, "Killefit" eben, "Impulswaren", wie Brinkmann auch sagt. Das ganze Geschäft ist so sortiert: Neben den wenigen Artikeln, die der Mensch wirklich braucht, liegen gewinnbringende Schlaraffenwaren, die wir sehen müssen, damit uns der Kaufimpuls durchzuckt.

Das Einkaufsverhalten der Deutschen hat sich spätestens in diesem Jahrhundert stark verändert. Heute, ohne kostenintensives Verkaufspersonal, entscheiden und verführen allein Preis, Markenname, Werbung und Plazierung. Und Musik: Ganz leise rieselt sie in Unna aus den Deckenlautsprechern auf die Kunden herab. Musik ist wichtig in diesen lauten Zeiten, "denn ein stiller Laden, der wirkt tot", sagt Brinkmann. Der klingende Kaufanreiz fliegt über Satellit von Kiel nach Unna, gesendet von P.O.S. Radio, das knapp 5000 Supermarktfilialen in der Republik belebt.

"Nicht zu laut, das darf nicht ablenken, aber es muß etwas dasein, eine Melodie, mit der man flötend durch den Markt läuft", erklärt Supermarktfunker Marcel Eberle die latente Behaglichkeit. Die Kieler wissen genau, wann Rentner einkaufen und wann Schulkinder. Also funkt P.O.S. morgens Roland Kaiser, ab mittags wird es poppig.