Eindrücke von der Cebit, wo die Handy-Moderne sich selbst feiertSeite 3/3

Börries bedauert bloß, seinen drei Monate alten Sohn nicht öfter sehen zu können, und das bedauert man mit ihm, aber da müßte er ja jetzt nach Hause fahren, statt weiter durch die nächtlichen Cebit-Hallen zu streifen, die nur noch vom Lärm der Party-Bands dröhnen.

Allerdings muß es nicht schaden, sich bei Torschluß nicht der Völkerwanderung weg von der Messe anzuschließen. Dieses Jahr hielt sogar ein Messe-ICE auf dem Heimweg abrupt im niedersächsischen Peine, erkennend, daß er da gar nicht hingehörte, sondern einer falsch gestellten Weiche gefolgt war. Unter den Insassen fanden sich glücklicherweise Angehörige eines Zeitungsverlages, die mit ihren Handys die Heimatredaktionen sofort über den unvorstellbaren Fehler in Kenntnis setzen konnten, den die Systeme von gestern da begangen hatten.

Anzeige

Das wahre Wesen der Moderne ist, daß sie selbst ihr Steckenbleiben noch produktiv verwerten kann; daß also, nachdem die drohende Natur auf das kleinste Maß gestutzt ist, auch die Webfehler der eigenen Kultur Stück für Stück ins reine kommen. Am Ende glaubt man an den Fortschritt.

 
Service