Seit Jahrzehnten kommt Schlag auf Schlag zur Steuerzeit ein neuer Konz heraus, der "Große Konz", der "Kleine Konz", der "Neue Konz", dann wieder der Klassiker "Tausend ganz legale Steuertricks" . Auf gut 5,4 Millionen beläuft sich die Gesamtauflage von Franz Konz, genannt der Steuerkonz. Er selbst bemißt seinen Erfolg lieber in den Milliarden, um die er den Staat schon gebracht hat. Aber am Ende weiß er nur, daß es nicht genug ist. Die offene Rechnung, die ihn umtreibt, ist auf diese Weise nicht zu begleichen.

In den fünfziger Jahren, als junger Steuerberater, hat Konz sein erstes Steuerbuch geschrieben, schon ganz in dem aufmüpfigen Ton, der ihm bis heute eigen ist. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn an wegen Beamtenbeleidigung und Beihilfe zur Steuerhinterziehung, "völlig zu Unrecht", wie Konz sagt. 1952 kam er für über ein Jahr ins Gefängnis, Steuerfahnder suchten unterdessen seine paar Kunden heim, kleine Gastwirtschaften, Kioske, Tankstellen. Als man ihn wieder freiließ, war er bankrott.

Heute lebt er, ein kleiner, straffer Mann von siebzig Jahren, in dem Dorf Hoffnungsthal bei Köln. Dort hat er sich auf einem weitläufigen Hanggrundstück eingerichtet, wo er eine Ansammlung von Holzhäuschen bewohnt. Das "Verhängnis" von damals aber gehe ihm noch immer im Kopf um, sagt er; das habe ihn "derart zerbrochen". Es dauerte lange, bis er sich wieder zurechtfand. Bald fing er an, beim Einkaufen hie und da etwas mitgehen zu lassen, als wollte er der Strafe nachträglich noch gerecht werden. Es wurde zu einer Sucht über Jahre hinweg, immer wieder mußte er "mit den Detektiven Katz und Maus spielen". An die fünfzehnmal erwischten sie ihn.

Über die Wirren dieser Zeit spricht er beiläufig verwundert wie über einen Phantomschmerz; das Leben nach der Haft kam ihm "wie abgeschnitten" vor. "Ich habe keine Verbindung mehr zu den Menschen", sagt er. Im Umgang mit ihnen peinigt ihn die Gewißheit, daß er "unsympathisch" wirke. Selbst im Fernsehen, wenn er mal wieder eingeladen ist, spürt er "den Widerstand der Moderatoren".

Da schreibt er lieber. Schon als Junge fühlte er sich zum Schriftsteller berufen. Die Lehrer lobten seinen Stil, die Eltern ließen sich nicht beirren und brachten ihn bei der Finanzverwaltung unter. Er aber vergaß sein Ziel keineswegs; noch auf der Steuerinspektorenschule bewältigte er das Aufsatzthema "Goethe der Olympier" mit Eins plus.

Heute steht der Steuerkonz als Schriftsteller im Telephonbuch, und den Titel hat er sich redlich verdient. Denn Steuerratgeber gibt es viele, aber die anderen geben sich zufrieden, wenn sie die Steuerrichtlinien leidlich ins Deutsche übersetzt haben. Keiner feilt wohl so lange an seinen Sätzen, und keiner nimmt sich so beseelt wie er des Lesers an, den er dabei duzt, so oft es nur irgend geht (". . . sage ich Dir, wie Du Dir Deiner Sache . . ."). In seinem Bestseller "Tausend ganz legale Steuertricks" gelingt ihm das 11 558mal. So stiftet er einen unverbrüchlichen Bund: zwei Kumpane gegen den Staat und seine "Fiskalritter", die es mit möglichst haarsträubenden Tricks zu ärgern gilt.