Es gibt eine schlaue und eine dumme Art, über "Lost Highway" zu reden. Wer schlau ist, fängt gleich frischweg damit an, mit Begriffen wie "Dekonstruktion" und "Postmoderne", "phallische Grammatik" und "narrative Umkehrung" um sich zu werfen. Wer sich dagegen im Kino lieber bewegen als bequatschen läßt, versucht erst einmal, die Handlung des Films zu begreifen.

Erster Versuch.

Ein Mann ermordet seine Frau und wird dafür zum Tode verurteilt; in der Gefängniszelle verwandelt er sich in einen anderen, jüngeren Mann, der ebenfalls einen Mord begeht, ehe er sich in den ersten, älteren Mann zurückverwandelt, welcher nun mit Hilfe eines Geistes einen dritten, noch älteren Mann ermordet, dessen Ende schon am Anfang der Geschichte verkündet wurde: "Dick Laurent ist tot."

Zweiter Versuch.

Fred (Bill Pullman ) und Renee Madison (Patricia Arquette ) leben in einem großen, kalten, beinahe fensterlosen Haus "nahe beim Observatorium". Drinnen verströmen Steh- und Wandlampen ein diffuses, trügerisches Licht. Fred ist Musiker, jeden Abend bläst er in der "Luna Lounge" sein Tenorsaxophon; Renee hingegen hat nichts zu tun. Wie es um die beiden steht, sieht man, als Renee nach Freds vergeblichem Versuch, mit ihr zu schlafen, leise auf seinen Rücken klopft und flüstert: "Ist ja gut."

Eines Tages bekommen die beiden ein Videoband zugeschickt; es zeigt die Außenfront ihres Hauses. Am nächsten Tag folgt ein zweites Videoband: Es zeigt Fred und Renee in ihrem Schlafzimmer. Das dritte Videoband, einen Tag später, zeigt die verstümmelte Leiche Renees und den blutbesudelten Fred. Zuvor, auf einer Party, hat Fred einen Mann mit einem leichenblassen Clownsgesicht kennengelernt, der behauptete, ihn schon früher getroffen zu haben. Wo? "In Ihrem Haus. Ich bin dort, jetzt, in diesem Moment. Rufen Sie mich an. Sie haben mich eingeladen. Ich gehe nirgendwohin, wo ich nicht eingeladen bin." Und zu Hause, in einem bösen Traum, hat Fred auf dem Gesicht seiner Frau die Züge dieses mystery man gesehen und ist schreiend aufgewacht.