Bei Mühlberg an der Elbe schlug die Armee Kaiser Karls V. am 24.

April 1547 die Truppen des Bundes, den lutherische Fürsten und Reichsstädte sechzehn Jahre zuvor zur Verteidigung des "reinen Wortes Gottes" im thüringischen Schmalkalden geschlossen hatten.

Den Augenblick seines vermeintlich größten Sieges ließ der Kaiser von Tizian malen. Der schon sechzigjährige Maler mußte deshalb mitten im Winter über die Alpen nach Augsburg kommen. Das Kaiser-Bild im Madrider Prado verdeutlicht besser als lange Erklärungen, wie Karl sich und seine Rolle nach der Schlacht sah. Da reitet ein einsamer Kriegsgott über das Schlachtfeld von Mühlberg, in der absoluten Gewißheit, daß er die Einheit von Reich und Religion endgültig erkämpft hat.

Karl von Habsburg, der 1500 geborene Enkel Kaiser Maximilians, erbte schon früh, was ihm seine fürsorglichen Ahnen durch fleißiges Kinderzeugen und dynastische Heiraten hinterlassen hatten: als Sechsjähriger Burgund mit den Niederlanden ein Jahr später Spanien mit Süditalien und Teilen der eben entdeckten Neuen Welt 1519, mit dem Tod Maximilians, die deutschen und italienischen Länder der Habsburger. Noch im selben Jahr wählten ihn die deutschen Kurfürsten zum Kaiser. 1520, zur Krönung in Aachen, betrat er zum erstenmal deutschen Boden.

Der Streit um die Einheit von Reich und Religion kündigte sich schon wenige Monate später an, auf dem Reichstag zu Worms. In den folgenden Jahren verfilzten sich die politischen und konfessionellen Fronten in diesem Kampf zu einem unentwirrbaren Knoten, so daß der Kaiser schließlich glaubte, ihn nur noch mit dem Schwert durchhauen zu können.

Schon am Beginn der Wormser Verhandlungen kam es zum Konflikt zwischen Karl und den Reichsständen, das waren jene deutschen Teilstaaten und Städte, die zwischen sich und dem Kaiser keinen Landesherrn hatten. Nach dem Selbstverständnis des Habsburgers konnte das Reich nur "ein Haupt" haben, ihn, den Kaiser. Dagegen forderten die Fürsten, was sie in den noch jungen nationalen Tönen der Zeit die "deutsche Libertät" nannten. Gemeint war die Freiheit der Landesherren, ihre Gebiete nach eigenem Gusto unabhängig vom Reichsoberhaupt zu regieren.

Dann, am 18. April 1520, verweigerte Martin Luther den Widerruf seiner Bücher in einer kurzen, klaren Rede in "unverfälscht teutsch", und weil der Kaiser Deutsch gar nicht verstand, mußte er sie lateinisch wiederholen. In seinen Schriften ging der Mann in der abgewetzten Kutte weit hinaus über die schon lange im Reich vielstimmig erhobene Forderung, ein Reformkonzil möge endlich Schluß machen mit dem Amtsmißbrauch von Päpsten und Klerus, mit Pfründenschacher, Vetternwirtschaft und sittlicher Verwahrlosung der Priester. Er wandte sich auch gegen Glaubensinhalte und Liturgie der Kirche, und im Verständnis des Kaisers war das "Ketzerei".