Arznei für Leib und Seele

Die Schwäche der Schulmedizin verschafft alternativen Heilmethoden den Zulauf. Eine Antwort auf Johannes Köbberlings Kritik an der Paramedizin

Jede gute Diagnose beginnt mit einer Ursachenforschung. Wenn Ärzte nur an Symptomen herumkurieren, ohne den wahren Grund einer Erkrankung zu erfassen, kann die Behandlung leicht scheitern. Diesen Vorwurf muß man auch jenen beiden Medizinern machen, die in den vergangenen beiden Ausgaben der ZEIT heftig gegen die "Alternativmedizin" wetterten.

Ihre Diagnose lautet im wesentlichen wie folgt: Alternative Heilmethoden sind wissenschaftlich nicht nachprüfbar und sollten daher auch vom Gesetzgeber und den Krankenkassen nicht anerkannt werden.

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Das Recht auf Anerkennung soll allein die wissenschaftliche (oder auch "Schul"-) Medizin genießen. Denn schließlich werde "eine gute, menschliche Medizin nur durch die Wissenschaft in ihr sichergestellt", wie uns Johannes Köbberling, Präsident der Gesellschaft für Innere Medizin, aufklärt.

Doch dabei bleibt eine gründliche Anamnese außer Acht. Insbesondere fragt Köbberling nicht nach den Ursachen für den derzeitigen Zulauf alternativer Heilmethoden. Statt dessen erfahren wir, daß die "Paramedizin" hierzulande vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus große Anerkennung erfahren habe. Auf diese Weise werden Homöopathie und Naturheilkunde in die Nähe des Faschismus gerückt vergessen wird dabei, wie sehr auch die Schulmedizin für die finsteren Pläne des Regimes in Dienst genommen wurde. Doch die Gründe für den heutigen Zulauf, den die alternativen Heilmethoden erfahren, sind weniger in der Blut-und-Boden-Doktrin des "Dritten Reiches" zu suchen als in den ganz handfesten Defiziten unseres gegenwärtigen medizinischen Wissenschaftsbetriebes.

Sosehr daher die Auseinandersetzung mit dem Verhältnis zwischen herkömmlicher Medizin und anderen Heilmethoden zu begrüßen ist, sosehr ist jede professorale Herablassung von Schulmedizinern, für die Johannes Köbberling stellvertretend spricht, zu bedauern.

Auch wenn sie sich gegen den verächtlich gemeinten Begriff "Schulmedizin" wehren - mit ihrer Argumentation entsprechen sie leider nur allzuoft genau jenem Bild vom medizinischen Schulmeister, der ungezogene Patienten von der Richtigkeit seines Lehrgebäudes zu überzeugen versucht. Der Sache dient das nicht.

Um recht verstanden zu werden: Es geht nicht darum, jedem Quacksalber und allem Unsinn, der momentan auf dem alternativen Markt feilgeboten wird, das Wort zu reden. In der Tat ersetzen manche selbsternannten Therapeuten echtes heilkundliches Wissen vor allem durch wohlklingenden Hokuspokus, und statt der Patienten wird vorwiegend der eigene Geldbeutel therapiert.

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