Leeres Blatt
Zaires Diktator Mobutu geht. Aber wer ist Laurent Kabila?
Der große Diktator muß klein beigeben. Mobutu Sese Seko, Präsident von Zaire, mag sich fühlen wie Romulus Augustus, unter dessen Herrschaft das römische Imperium zerfiel: Zwei Drittel seines Reiches sind erobert, der Feind steht vor den Toren der Hauptstadt.
Die Kapitulation ist reine Formsache. Doch was kommt nach Mobutu?
Wer kann das darniederliegende Land aufrichten? Wie ist die Einheit des fragilen Vielvölkerstaates zu bewahren? Oder droht das Orakel des alten, sterbenskranken Autokraten wahr zu werden: "Vor mir das Chaos, nach mir die Sintflut"?
Der Tyrann geht, Laurent Kabila kommt. Der Rebellenführer läßt sich vom Volk als Befreier umjubeln. Doch am Anfang seiner Macht stehen die Massaker, die seine Truppe an wehrlosen Flüchtlingen verübte. Er verspricht, den Preis für Wasser und Bier zu halbieren.
Ein Programm für den Wiederaufbau des durch Mobutus Kleptokratie ruinierten Landes aber hat Kabila nicht. In seinen Lehrjahren als Berufsrevolutionär soll er ein feuriger Marxist gewesen sein.
Heute verspricht er Demokratie - und läßt zugleich die Wesenszüge eines Diktators aufblitzen.
Seine Freunde in Washington nennen Kabila a dark horse, ein unbekanntes Pferd, ein unbeschriebenes Blatt. Sie wissen offenbar nicht mehr so recht, was sie von ihrem Schützling halten sollen. Selbst Ugandas Präsident Yoweri Museveni, engster Bundesgenosse des Rebellenchefs, räumt ein: Er glaube nicht, daß Kabila ein "geeigneter Führer" sei. Doch der Weg zur Macht ist weiter als der Weg zum Sieg. Das Kriegsziel, der Sturz des Despoten in Kinshasa, eint die Rebellenallianz.





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