Der Wirtschaftskrimi begann 1993, als die junge kanadische Bergbaugesellschaft Bre-X Minerals einen Jahrhundertgoldfund im tropischen Regenwald der Insel Borneo verkündete: Goldrausch, Träume, Betrug, Tote und politische Verflechtungen - alle Ingredienzien eines wahren Thrillers waren mit der Entdeckung verbunden. In der vergangenen Woche endete er mit der Ernüchterung, daß die Erzproben aus der Mine nicht zu gebrauchen sind. Dem Goldrausch in Indonesien folgt die Katerstimmung: kein Gold, statt dessen Millionenverluste und geprellte Anleger.

Der Kreis der Beteiligten ist schillernd. Der ehrgeizige Bre-X-Präsident David Walsh beispielsweise, der seit 1993 die Busang-Goldbohrungen kommandierte, verkaufte seine Anteile beim Höchststand der Aktie im Februar dieses Jahres. Das war wenige Tage bevor die ersten Gerüchte um den Flop der Goldmine aufkamen. Fragen wirft auch der mysteriöse Tod des Bre-X-Geologen Michael De Guzmann auf. Mitte März stürzte er über der vermeintlichen Goldmine aus einem Hubschrauber. Eine zweite Obduktion soll nun Klarheit bringen, ob es sich bei dem Absturz um Selbstmord, Mord oder gar eine falsche Leiche handelt. Der zweite Bre-X-Geologe, John Felderhof, setzte sich in der vergangenen Woche mit einem geschätzten Vermögen von rund drei Millionen Dollar aus seinen Bre-X-Aktiengewinnen in die Karibik ab. In einer schriftlichen Erklärung gab er bekannt, daß er immer noch an einen Jahrhundertfund in Busang glaube.

Hochrangige Politiker mischten ebenfalls bei der Goldsuche mit: Der ehemalige US-Präsident George Bush und der Expremierminister Kanadas, Brian Mulroney, schickten Ende vergangenen Jahres Empfehlungsschreiben an Indonesiens Präsidenten Suharto. Die persönlichen Briefe sollten die schleppenden Genehmigungsverfahren für erste Schürfungen in der Mine beschleunigen.

Als Präsident Suharto daraufhin die Goldsuche zur Chefsache erklärte, stiegen zahlreiche indonesische Tycoons wie der Bergbaukönig Jusuf Merukh, der Multimillionär und Präsidentenfreund Bob Hasan und der Großindustrielle Johnnie Hermanto ins Boot. Um reibungslose Geschäfte zu garantieren erhielt der älteste Präsidentensohn Sigit Harjojudanto von Bre-X einen Beratervertrag über vierzig Jahre und einen zehnprozentigen Anteil an den Gewinnen der Busang Mine. Unter den damaligen Annahmen war beides 400 Millionen Dollar wert.

Beim Goldfieber im Dschungel wollten alle mitverdienen. Und so ist es kein Wunder, daß auch die indonesische Präsidentenfamilie mit von der Partie war.

Denn ohne den Suharto-Clan läuft in Indonesien nichts. Ob Goldsuche, Bergbau, Chemie, Banken, Immobilien, Rohstoffe oder Handel: Suhartos Sippe zieht die Fäden. Das Gesamtvermögen des Familienkartells wird auf über vier Milliarden Dollar geschätzt. Seit den siebziger Jahren sind die sechs Präsidentenkinder unternehmerisch aktiv. Sie begannen ihre Geschäfte mit Rohstoffhandel, der durch Monopole geschützt war. Als die Weltbank diese Geschäftspraktiken kritisierte und drohte, Kredite einzufrieren, suchte sich die Familie andere lukrative Nischen. Besonders erfolgreich ist seither Suhartos älteste Tochter mit dem Spitznamen "Tutut". Die 48jährige Siti Hardijanti Rukmana baute Jakartas erste Ringstraße und Autobahn. Tutut besitzt außerdem Anteile am größten Finanzhaus des fernöstlichen Inselreiches, Bank Central Asia, verfügt über mehrere Plantagen, unterhält Taxiunternehmen in Jakarta und sitzt im Telekom-Konsortium Citra Telekomunikasi Indonesie.

Bambang Trihatmodjo, zweitältester Präsidentensohn, besitzt ebenfalls Geschäftssinn und die richtigen Kontakte. In nur zehn Jahren baute er sein Imperium auf. Bambangs Meisterstück: die PT-Bimantara-Citra-Gruppe, ein Blue Chip an Jakartas Börse. Zu dem Konglomerat, an dem Bambang die Mehrheitsbeteiligung hält, gehören Handelsfirmen, Banken, Fernmeldeunternehmen, Öl- und Gasindustrien. Sein Erfolgsrezept basiert auf Vitamin B. "Natürlich fällt es mir leichter, Türen zu öffnen", gibt Bambang unumwunden zu.

Eine solche Eintrittskarte möchten auch ausländische Manager gerne besitzen.

Wer den Zugang zur Präsidentenfamilie schafft, hat ausgesorgt, die Vetternwirtschaft bringt Vorteile. So sicherte sich der südkoreanische Automobilhersteller Kia Motor Corporation dank eines Gemeinschaftsunternehmens mit dem jüngsten Suharto-Sohn, Hutomo Mandala Putra, den Segen des Präsidenten, Steuerermäßigung und zollfreie Einfuhr von Autos und Montageteilen für den künftigen indonesischen Volkswagen Timor Putra Nasional. Auf Kritik an der Vetternwirtschaft reagiert Präsident Suharto gelassen. "Meine Kinder sind glänzende Manager", verteidigt er das Familienkartell.

Noch vor wenigen Jahren amüsierten sich die ausländischen Manager über die Familiengeschäfte. Aber seit in Indonesien der internationale Konkurrenzkampf um lukrative Aufträge zunimmt, scharen sich die Firmenbosse um den Suharto-Clan. Auch deutsche Unternehmen wollen sich gegenüber den Wettbewerbern Vorsprung verschaffen. Zum Beispiel die Deutsche Telekom: Sie kaufte sich vor zwei Jahren mit 25 Prozent bei dem indonesischen Telekommunikationsmulti Satelindo ein. Ein strategischer Zug, denn die Mehrheitsbeteiligung an diesem Unternehmen gehört dem Präsidentensohn Bambang. Dank Bambang, Satelindo und dem Rest des Clans könnte künftig auch die Deutsche Telekom von der schnell wachsenden Telekommunikationsindustrie Indonesiens profitieren. Nicht nur die Deutsche Telekom, auch Ferrostaal, Siemens und ABB Henschel suchen den Kontakt zur Präsidentenfamilie und hoffen auf Aufträge beim Aufbau der U-Bahn in Jakarta oder beim Kraftwerksbau auf Java ð Projekte, nach denen die Familie neuerdings die Fühler ausstreckt.

Ob teure Infrastrukturprojekte, kapitalintensive Chemie- und Autofabriken oder hochspekulativer Bergbau: Die Suharto-Sippe ist mittlerweile so reich, daß sie sich sogar finanzielle Flops wie eine Beteiligung an dem Bre-X-Projekt leisten kann. Analysten rechnen fest damit, daß die Präsidentenkinder an weiteren Goldminen Anteile kaufen werden. Elf Goldadern werden zur Zeit in Indonesien untersucht, und nicht nur Tutut hat bereits einen Fuß in der Tür. Sie verhandelt mit der amerikanischen Bergbaugesellschaft Newmont Gold, um sich die Schürfrechte an der vermutlich drittgrößten Goldmine Indonesiens, Batu Hijau auf Sumbawa, einer Nachbarinsel Balis, zu sichern. Trotz des Flops in Busang geht die Schatzsuche in Indonesien also vorerst weiter.