Roman Herzogs Rede kam nicht zu spät. Sie kam überhaupt nicht.

Was Herzog sagte, wußte ich schon lange. Von Schäuble und Lafontaine.

Beide hätten sie diese Rede halten können. Ein Problem haben Schäuble, Lafontaine und Herzog gemein, sie können ihre Politik nicht umsetzen.

Aber haben wir wirklich ein Umsetzungsproblem? Haben wir tatsächlich nicht ein Umbesetzungsproblem? Kann Kohl sich nicht nach draußen zu Herzog setzen, damit Schäuble und Lafontaine eine große Koalition bilden können?

Daniel Struck, Hamburg Ich kann die zurückhaltende und lustlose Reaktion des Autors nicht nachvollziehen. Es ist traurig genug, daß sich in diesen Zeiten niemand der sogenannten politischen Würdenträger aus den Schützengräben des politischen Infantilismus erhebt, um zumindest ansatzweise Visionäres von sich zu geben. Eine genauere Zusammenfassung der politischen Lage und vor allem des geistigen Stimmungsbildes der Republik habe ich auch in der ZEIT bisher leider vermißt.

Jörg Dahlmann, Hamburg Mit seiner Berliner Rede hat Herzog ins öffentliche Bewußtsein gerückt, was eine "schweigende Mehrheit" gar nicht publizistisch wirksam machen kann. Die Mehrheit der Bürger in Deutschland kann das Hickhack der Politiker nicht mehr länger ertragen und will ohne Wenn und Aber, daß 4,6 Millionen Arbeitslose in unserem Land endlich eine Arbeit bekommen. Ebenso hat wohl auch ein sehr großer Teil unserer Bevölkerung begriffen, daß jeder Bürger ganz persönlich recht bald sein Scherflein - sprich: Opfer - dazu beitragen muß, daß der Standort Deutschland eine Zukunft im globalen Wettbewerb bekommt und behält. Die Dringlichkeit schneller politischer Entscheidungen herausgestellt und das Selbstvertrauen einsatzwilliger Bürger wachgerüttelt zu haben - das war für die vielen Schweigenden ein befreiendes Gewitter in der stickigen Politluft unseres Landes.

Dafür sind sie dem Bundespräsidenten dankbar.