Zu Rolf Liebermanns fünfundachtzigstem Geburtstag ehrte ihn die Stadt seines erfolgreichsten Wirkens, Hamburg, mit einer Serie von Konzerten der Philharmoniker und des NDR-Sinfonieorchesters samt mehreren Uraufführungen, so dem "Enigma für großes Orchester" (1994, unter Gerd Albrecht) und dem "Klavierkonzert" (1995, mit Massimiliano Damerini unter Sylvio Gualda). Aus den Mitschnitten sind jetzt neben den beiden genannten zwei ältere Werke auf einer CD erschienen: "Tribute to Rolf Liebermann" (Thorofon CTH 2331).

Mit dem "Furioso für Orchester" verriet Rolf Liebermann schon 1945, wem er zu folgen gedachte: Igor Strawinsky sein "Concerto for Jazzband and Symphony Orchestra", 1954, bekundet, was er damals wie heute liebt: George Gershwin und dessen Einbindung des Jazz.

Daß in all den stark emotionalen und vor allem rhythmisch außerordentlich vitalen Strukturen immer auch noch die Zwölftontechnik eine wichtige Ordnungsfunktion erfüllt, nimmt der Hörer kaum wahr. Kraftvolle, von einem unendlich starken Lebenswillen kündende Musik, die sich nicht aufs Experimentieren verlegt, sondern das durchgehende Idiom einer Persönlichkeit bewahrt, das natürlich sich atmend erweitert und wieder verengt, das aber immer den Drive wie die Sentimentalität, die leuchtende Vorderansicht und die kleinen empfindsamen Nischen dahinter, die Grandezza und das Komödiantische dieses Großbürgers der Musik verrät.