Unter den bastelnden Schulkameraden ließen sich leicht die Grobmotoriker von den Feinmechanikern unterscheiden.Die einen bauten mit Fischertechnik zu kantige Gebilde, die anderen nestelten Klein- und Kleinstteile zu obskuren Mechanismen zusammen, die nicht selten beängstigend gut tickten.Einige blieben später beim Baukasten und wurden Ingenieur, manche wechselten die Materialien und wurden, beispielsweise, Komponist.Cornelius Schwehr wurde Komponist.Eingeweiht in die Kunst, aus wenigen musikalis chen Ereignissen tragfähige Spannungsbögen zu konstruieren, wurde er von Klaus Huber und Helmut Lachenmann. Er hat eine Vorliebe für kaleidoskopische Strukturen, bei der jede Bewegung die gesamte Geometrie verschiebt und die Klänge in ihren Erscheinungen bestimmt.Daß Schwehr dabei kein trockener, klangverschmähender Konstruktivist ist, dem Lineal und Reißzirkel die Grenzen der Welt abstecken, zeigt sein Werk: "Aber die Schönheit des Gitters" ist der Titel seines Septettes, der eine kubistisch-metronomische Linienverstrebung ankündigt.Stillstand kennt die Musik nicht. Die von Instrument zu Instrument weitergeführten Klangbewegungen kondensieren an den Maschen des Zeitgitters.An den Knotenpunkten des rhythmischen Netzes bilden sie wimmelnde Konglomerate von kurzen, harten Partikeln, die wie Krümel im Spinnennetz vibrieren. Das Ensemble Recherche belebt die Klanggitter mit größter Klarheit und Prägnanz und läßt selbst den Hintergrund - das ist in der Musik die Stille - aufleuchten.Auch in den vier weiteren Schwehr-Stücken der CD "poco a poco subito" (hat Art CD 6191 Vertrieb Helikon) formieren die Musiker den Zeitfluß souverän, lassen den Augenblick erstarren und entfalten einen Sog beständiger Intensität und ihre Faszinationskraft.