WASHINGTON. - Die Vereinigten Staaten möchten nicht in einen bosnischen Sumpf hineingezogen werden. Mitglieder der Clinton-Administration haben deshalb laut und deutlich erklärt, sie erwarteten den pünktlichen Abzug der amerikanischen Truppen zum Ende des gegenwärtigen Mandats Mitte 1998. Diese Ansicht wird im Kongreß geteilt. Einige Kongreßmitglieder haben sogar vorgeschlagen, die Finanzierung der amerikanischen Truppen in Bosnien solle nur bis zum 30. September nächsten Jahres aufrecht erhalten werden. Obwohl eine Mehrheit für diesen Vorschlag kaum zu erwarten ist, schafft er zusätzlichen Druck dafür, daß die Amerikaner Bosnien Anfang des nächsten Jahres verlassen.

Dies ist das falsche Signal zur falschen Zeit. Es wird länger als fünfzehn Monate dauern, einen dauerhaften Frieden in Bosnien zu schaffen. Wer jetzt einen festen Termin für den amerikanischen Abzug setzt, spielt den hartnäckigen Gegnern des Friedensprozesses in die Hände. Sie glauben ohnehin, sie brauchten nur abzuwarten, um den Krieg wieder aufnehmen zu können. Wenn wir wirklich hoffen, unser Ziel - ein vereinigtes Bosnien - erreichen zu können, dann sollten wir nicht ausschließen, auch nach dem Juni nächsten Jahres in Bosnien zu bleiben: als Teil einer neuen, kleineren Nato-Streitmacht, allerdings möglichst ohne Bodentruppen. Auf jeden Fall sollte die Clinton-Administration weniger laut reden und die Erwartungen auf einen schnellen Abzug dämpfen.

Bosnien mag von den Titelseiten verschwunden sein, aber die Vereinigten Staaten sind zum zentralen Faktor der Friedensbemühungen geworden.

Amerikaner halten die Schlüsselstellungen bei der Implementierung des Friedensprozesses. Sie sind die treibende Kraft bei der Organisierung der Kommunalwahlen, die im September stattfinden sollen. Sie stellen die auffallendste Präsenz in Sarajevo. Wir Amerikaner sind auch die wichtigsten Befürworter einer muslimisch-kroatischen Föderation, was durch die Bereitstellung von einer halben Milliarde Dollar für die Ausbildung und Ausrüstung ihrer Streitkräfte unterstrichen wird.

Nach weitverbreiteter Ansicht sind die Vereinigten Staaten die einzige Partei im Friedensprozeß, die von allen drei Seiten respektiert wird. Sie hält damit den Schlüssel zur Stabilität in der Hand.

Die Europäer können und wollen die Aufgabe nicht allein angehen.

Und diese Aufgabe ist noch längst nicht bewältigt. Es herrscht vielmehr ein umfassender Konsens darüber, daß der Wiederaufbau Bosniens ein langfristiger Prozeß sein wird.