Wie oft haben wir fahrlässig schnell, geradezu hopplahopp darüber weggelesen. Doch diesmal halten wir rechtzeitig inne, bleiben mit den Augen ungläubig an dem Wort hängen und lassen uns dieses Kompositum ganz langsam auf der Zunge zergehen: "Auto - wandern".

Nein, wir blättern mitnichten in einer Adac-Fibel, sondern im "Eifelführer", herausgegeben vom Eifelverein, "dieser großen, weitverzweigten Bürgerinitiative zum Gemeinwohl der Eifel" (Vorwort des Vorsitzenden). Tatsächlich, hier auf Seite 646 in der 37.

Auflage von 1995 steht es schwarz auf weiß: "Autowandern auf Ferienstraßen".

Sind wir im richtigen Buch? Der zweite Blick bringt Gewißheit: Nicht von Auswandern ist hier die Rede - obschon das nahegelegen hätte, denn noch vor 150 Jahren kehrten die bettelarmen Eifeler in Scharen "Rheinisch-Sibirien" den Rücken -, sondern tatsächlich vom Autowandern! "Das Gebiet der Eifel wird von mehreren Ferienstraßen, touristischen Straßen, für Autowanderer erschlossen", heißt es kühn. "Sie führen den Autofahrer auf seinen Erholungsfahrten zu Zielen mit vielen Sehenswürdigkeiten. Der Autofahrer kann auf diese Art die Eifel besser kennenlernen und gleichzeitig einen ihm geeigneten Ferienort finden, der ihn zu einem längeren Urlaub einlädt."

Im Geiste sehen wir das verliebte Pärchen vor uns, das im Kabrio Kilometer um Kilometer durch die Eifel cruist, auf der Suche nach dem einladenden Eifelörtchen mit Maarsicht, viel Fachwerkgebälk und prickelnden Mineralbrunnen. Wie unser Pärchen die touristische Ahr-Rotwein-Straße zum red wine hopping rauf- und runterschunkelt ("Zahlreiche Parkplätze erlauben einen längeren Aufenthalt, nicht nur um den Ahrwein zu probieren, und beim Autowandern sollte es wirklich ein Probieren sein . . ."). Oder die grüne Straße Ardennen-Eifel auf die sanfte Tour entlangkutschiert.

Des Abends sitzt dann unser Pärchen mit anderen Autowanderern am Gasthaustisch. Müde, glückselig - und kaum verschwitzt. "Heute sind wir 187 Kilometer autogewandert. Einfach super. Und diese tollen Autowanderparkplätze, so schön geräumig und sauber und immer so nah dran an den Sehenswürdigkeiten. Man braucht ja nur die Fensterscheibe runterzukurbeln . . ."

Der Wahrheit die Ehre: Wir haben fast unbemerkt auch Radwandern und Kanuwandern akzeptiert. Doch ist nicht Wandern per pedal oder per Einbaum streng genommen schon ein Hohn auf die eigentliche Bestimmung des Wanderns, nämlich auf den eigenen zwei Beinen zu laufen und sich maximal einer Krücke in Form eines Wanderstocks oder zweier Skistöcke zu bedienen? Doch Wandern per Motor?