Böser Uwe Wesel! Die Stasi sei nicht nur das "Reich des Bösen" gewesen, soll er bei der jüngsten PEN-Tagung gesagt haben. Der Schriftsteller Ralph Giordano war zwar nicht dort, muß auf dieses Wesel-Wort aber sehnsüchtig gewartet haben: Er blies die Backen auf, "Verhöhnung der Verfolgten!" - und trat ganz gewaltig aus dem PEN aus. Auf einen speziellen Fall (Marquardt) und nur auf die IM-Tätigkeit für die Stasi bezogen, hatte Wesel sich so eingelassen: "Auch die Tätigkeit des Ministeriums für Staatssicherheit muß nicht immer nur dem Reich des Bösen angehören . . . Natürlich kann man auf der einen Seite, was die formale Tätigkeit betrifft, dieses Ministerium mit der Gestapo durchaus vergleichen. Es sind grauenvolle Sachen passiert. Diese Krakenhaftigkeit, mit der man sich millionenfach in der DDR betätigt hat . . . Ich kenne viele Fälle von IM-Tätigkeiten, wo ich sagen muß: Warum muß dieser Mensch deshalb seine Existenz verlieren? . . . Ich glaube, daß Anwälte zum Beispiel, wenn sie nicht mit dem Ministerium zusammengearbeitet haben, ihren Mandanten schadeten. Deshalb mußten sie nicht unbedingt IMs sein, aber sie konnten es durchaus sein. Genauso scheint es mir im Fall von Herrn Marquardt zu sein. Er war eben Verlagsleiter und hatte die Interessen von Menschen zu vertreten, die da veröffentlicht werden sollten, und dann mußte er eben auch genauso wie ein Anwalt mit dem Ministerium zusammenarbeiten." Das hat er wirklich gesagt, der Böse. Guter Giordano!