Den kannst du nicht besiegen. Völlig unmöglich", durchfuhr es Jörg Brümmer. Er stand auf der Kampfsportmatte, bekleidet nur mit dem schmalen Kampfgürtel, und ihm gegenüber hatte sich Valeri Nikolov aufgebaut, ein Bulgare von furchteinflößenden 220 Kilo.

Aber schließlich war dies die Europameisterschaft, und Brümmer, 160 Kilo schwer, hatte sich bis ins Finale durch-geschlagen.

Eins war jedenfalls klar: Marschierten die vier Zentner erst mal auf ihn zu, waren sie nicht mehr aufzuhalten.

Die Aufwärmzeremonie war vorbei. Die Kämpfer warteten jetzt auf allen vieren. Die Körper auf die Fäuste gestützt. Dann der Startruf.

Brümmer griff sofort an. Bearbeitete den Bulgaren mit den flachen Händen, trieb ihn zurück, Schritt für Schritt. Dann hatte er den Riesen aus dem Kreis gedrängt. Kampfdauer: zehn Sekunden.

Das war im September 1995, und der Triumph erschien ein bißchen wie ein Wunder. Erst zwei Wochen zuvor hatte Brümmer die Einladung zur Europameisterschaft erhalten, zu seinem ersten Sumowettkampf überhaupt. Hatte sich die Regeln und ein Video nach Frankfurt an der Oder schicken lassen. Erst am Tag vor dem Wettkampf erhielt er seinen Kampfgürtel, den Mawashi: ein zehn Meter langes und einen halben Meter breites Stück derber, reißfester Baumwolle.

"Ich bin Autodidakt", sagt Jörg Brümmer. Er füllt, bekleidet mit T-Shirt und Jogginghose, den gesamten Wohnzimmersessel aus und verfolgt nebenher im Fernsehen ein Eishockeyspiel, bei abgeschaltetem Ton. Nicht, daß Brümmer besonderer Eishockeyfan wäre. Aber die Mattscheibe ist fester Bestandteil seines Lebens, sie war es auch, die vor zehn Jahren in jenem Hotel in Tokio sein Leben veränderte.