Kanal 16 ist der einzige, der gerade funktioniert. "Ducks" steht im Menü, und tatsächlich erscheinen drei fröhlich schnatternde Enten auf dem Videomonitor.

Andrew Comrie ist das ein bißchen peinlich. Irgendwo in Schottland steht in einem Entenstall eine Kamera, deren Bilder gerade durch drei parallelgeschaltete, hochmoderne ISDN-Leitungen auf diesen sündhaft teuren 32-Zoll-Monitor übertragen werden. "Das muß wohl jemand zu Testzwecken installiert haben", sagt er und ist erleichtert, als die Leitung nach ein paar Sekunden zusammenbricht.

Doch im Prinzip her wird die geplante University of the Highlands and Islands (UHI) kein bißchen anders funktionieren. Nur stehen dann statt Enten Professoren vor der Kamera. Und das Videobild wird im College von Perth auf bis zu zwölf Monitore gleichzeitig übertragen. Nicht nur Andrew Comrie, einer der Gründerväter der neuen Universität, sondern Dutzende Studenten in ganz Schottland werden dann zuschauen.

Die neue Hochschule - bis zum symbolträchtigen Jahr 2000 soll sie aufgebaut sein - wird eine virtuelle Universität sein. Vorlesungen und Seminare soll es als Videokonferenzen geben, Gruppendiskussionen im Internet, Seminarpapiere sollen per E-Mail kommen, und Bibliotheksbestände werden per Modem abrufbar sein. Die UHI-Studenten brauchten wohl eher einen Computer als einen Notizblock, verkünden die Planer. Einen zentralen Campus wird es nicht geben.

Statt dessen sollen zwölf bereits bestehende Colleges und Forschungseinrichtungen mit modernster Technik verbunden werden.

Der Gang der Schotten in den Cyberspace folge nicht purer Technikbegeisterung sondern, ganz einfach dem Zwang, erklärt Valerie MacIver, Mitglied des Regionalparlaments und Vorsitzende des Gründungsrates der UHI. "Der technische Fortschritt macht eine Universität in den Highlands überhaupt erst möglich." Nordwestschottland ist extrem dünn besiedelt: Auf einer Fläche größer als Belgien leben gerade mal 370 000 Menschen. Wer studieren will, muß auswandern nur die wenigsten kehren je zurück.

"Seit über hundert Jahren gibt es Pläne für eine Universität in der Region", sagt MacIver. In den sechziger Jahren war man dem Ziel schon einmal nahe, als die Regierung nach dem Standort für eine neue Universität suchte. Doch letztlich erhielt das weiter südlich liegende Stirling den Zuschlag.