BERLIN. - Es stimmt, der Likud-Führer hat sein Wahlversprechen nicht gehalten - die Israelis haben weder Frieden noch Sicherheit.

Aber: Die israelische Angst vor Terror war immer real, sie erschien nicht erst mit Ministerpräsident Netanjahu. Diese Angst ist ein tief verwurzeltes Lebensgefühl, mit dem jeder Israeli aufwächst - auch noch fast fünfzig Jahre nach Staatsgründung.

Der Blutzoll der Israelis für Rabins Frieden war hoch 61 Bombenopfer waren im vergangenen Frühjahr zu beklagen. Der Preis für Netanjahus Politik scheint eine neue Terrorwelle zu sein. Doch so oder so: Die Hamas bombt gegen das "zionistische Gebilde", egal, wer in Jerusalem regiert. Der Zeitpunkt für neue Anschläge kann immer passend sein. Das hat nicht so viel mit der Unterstützung des palästinensischen Volkes für die Hamas zu tun, wie wir erlebt haben. Denn als die Hamas Peres ins Abseits bombte, ging die Mehrheit der Palästinenser auf die Straße, um für den Frieden zu demonstrieren. Die radikale Terrororganisation fand im eigenen Volk keine Unterstützung mehr.

Das ist heute wieder ganz anders: Palästinensische Jugendliche werfen Steine auf israelische Soldaten wie zur Zeit der Intifada.

Der Zusammenhang zwischen dem Siedlungsprojekt Har Choma und den neuen Hamas-Bomben in Tel Aviv scheint augenfällig, wird aber letztlich zu einfach und oberflächlich gesehen. Für das Medienecho gilt das ganz besonders. Die Terrorakte seien vorhersehbar gewesen, und die Israelis seien letztlich selbst schuld daran? Ist schon völlig vergessen, wie betroffen die Welt auf die letzte Hamas-Terrorwelle unter Peres reagierte? Der international sehr beliebte Premier von der israelischen Arbeitspartei vermied penibel jede Provokation gegen die Palästinenser. Die Hamas bombte trotzdem.

Damals reagierte die Welt betroffen, entsetzt, heute zeigt sie beinahe Verständnis, analysiert, weshalb es nur so hätte kommen können. Aber nein: Die Verurteilung des Terrors gegen Israel darf nicht abhängen von Sympathie oder Antipathie für die Regierungen in Jerusalem, alles andere wäre heuchlerisch. Dann künftig bitte lieber keine Betroffenheitsbekundungen mehr!

Und wie soll es weitergehen, jetzt, da alles festgefahren zu sein scheint? Erst einmal sollten europäische Betrachter etwas nüchterner auf den hitzigen Nahen Osten blicken. Und dann sollten sie sich befreien von der Vorstellung einer "umfassenden Lösung" in diesem Konflikt. Zwei Völker gibt es, aber nur ein Land - das weiß jeder, der auf diesen winzigen Landstrich am Mittelmeer schaut. Die Sehnsucht nach einer souveränen nationalen Heimstätte auf der einen, das existentielle Bedürfnis nach Sicherheit auf der anderen Seite.