Rekordarbeitslosigkeit, Haushaltsloch, Reformstau - an schlechte Nachrichten hat man sich gewöhnt. Um so größer ist die Freude, gibt es einmal etwas Positives zu vermelden. Und genau mit einer solchen good news wartete in der vergangenen Woche die Bundesbank auf: Die Deutschen sind nämlich noch nie so reich gewesen wie heute. Fast fünf Billionen Mark haben sie auf Konten und in Depots angehäuft, allein 1996 kamen fast dreihundert Milliarden Mark hinzu. Weshalb also die schlechte Stimmung im Volk?

Daß Geld nicht glücklich macht, wäre wahrscheinlich die zu kurz gegriffene Erklärung. Tatsächlich haben längst nicht alle Grund zur Freude. Während die Reichen immer reicher werden, wollen die weniger Reichen nicht so recht auf einen grünen Zweig kommen. Manche empfinden das als ungerecht - obwohl die Ungleichheit doch nur den Geist der Zeit widerspiegelt: Haben die Vereinten Nationen im vergangenen Jahr nicht mitgeteilt, daß ganze 358 Milliardäre auf der Erde ein höheres Einkommen als fast die Hälfte der Weltbevölkerung haben?

Gemessen daran können sich die armen Deutschen doch noch glücklich schätzen, oder?