ARD, Sonntag, 18. Mai, und Montag, 19. Mai: "Hamsun"

Die Empörung über Nazikollaborateure, die es eigentlich besser hätten wissen müssen, weil sie zur intellektuellen Elite zählten, hat sich nie beruhigt. Wie konnte gerade ein Mensch des Geistes . . .

Wenn so einer den Spuk schon nicht durchschaute, wie sollte dann der kleine Mann . . . Man verstand und versteht es nicht, und deshalb muß man immer wieder rein in den Stoff.

Knut Hamsun, "Dichterfürst" mit Nobelpreis (1920 für seinen Roman "Hunger"), wünschte sich ein geeintes Europa unter deutscher Führung mit einem kulturell dominanten Norwegen. Obgleich er sich von den Nazis hofieren ließ und die Besatzer freundlich empfing, fühlte er sich als Patriot. Das sahen seine Landsleute anders. Nach der Niederlage des Reiches wurde er interniert und als Landesverräter verurteilt. Damals war er 88 Jahre alt. Thorkild Hansen schrieb über jene Jahre das Buch "Der Hamsun-Prozeß".

Der Film zum Buch blätterte alles auf, was die Empörung über den Verrat ausgerechnet der Intellektuellen bis heute am Leben hält.

Man spricht gern neutralisierend von "Widersprüchen". Wenn man sich in die Seele eines Mannes wie Hamsun hineindenkt, sollte man aber wissen, daß sich schriftstellerisches Genie und politische Dummheit nicht ausschließen, genausowenig wie Heimatliebe und Großmannssucht. Der alte Hamsun ist ein despotischer Patriarch, der seine Kinder ins Ausland schickt, weil sie ihn bei der Arbeit stören, und dennoch seelisch davon lebt, daß es sie gibt. Der seiner Frau den Krieg erklärt, weil sie nicht neben ihm zur Magd verkümmern will, sie aber nie geliebt hätte, wäre sie keine Persönlichkeit mit Stolz gewesen.

Hamsun haßt die Engländer und ihren Imperialismus und ist schon deshalb ein natürlicher Verbündeter der Deutschen er fühlt sich als Künstler und Eremit, will aber auch beim Machtpoker mithalten.