Oben geht die Musik ab. Auf der Rundbühne im zweiten Obergeschoß tanzen fünf Models - zwei Frauen, drei Männer - zu heißer Rapmusik, angetan mit der neuesten Creation der adidas-Stylisten. In dieser Etage, gekrönt von einer dreißig mal dreißig Meter hohen Kuppel, macht sich der größte adidas-Shop der Welt breit. Die Besucher, angelockt von den fetzigen Tönen, strömen aus dem ganzen Haus zusammen. Doch die Kids, die, nur wenige Schritte von der Modenschau entfernt, die acht Plätze der Cyberbar besetzen, lassen sich nicht weiter stören - sie sind auf dem Trip durchs Internet.

Auch der Golfer im Stockwerk darunter läßt sich von der Musik nicht ablenken.

Hinter einem grünen Netz und vor einer Photokulisse probiert er gerade die neuesten Eisen aus.

Unten im Kellergeschoß, K-Town genannt, die Gegenwelt. Eine Schar von Schulkindern hat sich vor einer Computerwand versammelt und erprobt die frisch hereingekommenen Spiele von Nintendo, Sega und Sony. Andere wühlen vor Spray-Wänden im aktuellsten Material der Trendsportarten: Inline-Skating, Skateboard, die Snowboards sind längst weggeräumt. In einer kleinen CD-Abteilung ist die einschlägige Musik zu finden - von Rap über Techno, HipHop und Funk zu Soul und Grunge. Das alles liegt in einer Kaufwelt der neuen Art: Zwischen Bahnhof Zoo und Kurfürstendamm, im Herzen des alten Westberlin, steht das größte Sporthaus Europas mit einer Verkaufsfläche von 6000 Quadratmetern, verteilt über vier Stockwerke.

Der Essener Karstadt-Konzern hat das einstige Billigkaufhaus Bilka aus den fünfziger Jahren, von den Berlinern liebevoll Groschenmoschee genannt, zu einer Kathedrale des Sports umgebaut - eine Inszenierung von Trends, Zeitgeist und Innovationen. Im Erdgeschoß die hierzulande schon obligatorischen American-Sports-Produkte der Basketball-, Football- und Eishockey-Ligen. Wie Kunstobjekte sind an einer Wand 300 verschiedene Caps ausgestellt. Neben Sportartikeln der Firmen Reebok und Champion und einem Fanshop mit Trikots der Fußballbundesliga vom Lokalmatadoren Hertha BSC bis Borussia Dortmund gibt es nun auch den größten Nike-Shop Deutschlands.

Die Basics einer ganzen Reihe von Sportarten finden die Kunden im ersten Obergeschoß: von Tennis über Golf und Fitneß zu Mountainbiking und Trekking, Service-Abteilungen inklusive. Im hinteren Teil des zweiten Stocks werden in einem amerikanischen Restaurant frische Salate und Säfte offeriert. Rauchen verboten. Und auf dem Dachgarten, der auch von außen zugänglich ist, tummeln sich Inline-Skater und Skate-Boarder und zeigen ihr Können auf Bahn und Rampe.

Der Warenhausgigant demonstriert Stärke in Berlin. Zugleich mit dem Sporthaus im ehemaligen Bilka eröffnete Karstadt im vergangenen Herbst ein kleineres, konventionelleres Spezialhaus in der Friedrichstadt-Passage. Mit über 1,5 Milliarden Mark Umsatz sind die Essener im Handel mit Sportschuhen, Textilien, Sportgerät und sonstigem Zubehör in Europa die Nummer eins und weltweit auf Rang drei. Dazu tragen nicht nur die Warenhausabteilungen bei, sondern auch die Filialen des Schuhspezialisten Runners Point sowie 23 eigenständige Sporthäuser. Gesamtumsatz des Konzerns (Karstadt, Hertie, Neckermann): 26,9 Milliarden Mark.