In England war's mir oft zu eng!" So spricht der Dandy im schwarzseidenen Frack, kalauert sich seinen Schmerz aus der Brust und nimmt sein Köfferchen und will davon. Die rote Mörderhand hält die Pistole, die langen Haare strähnen traurig, die Augen verschatten die Welt.

Nach Schottland, einen Mord begehen! Den Glücklichen töten, den seine Angebetete erwählt, und dann den Werther-Gnadenschuß ins eigne Herz. Doch vorher noch mal setzen: reglos, blicklos, im Lebertran des Unglücks fast ertrinkend. Und an der Bar noch einen Whiskey obendrauf.

Wir sind in Düsseldorf, und jene Bar steht im Schauspielhaus.

Auf einer Bühne, die Dirk Thiele mit ebensoviel Subtilität wie Entschiedenheit gestaltet hat, um Heines zweitem und letztem Drama, dem Schauerstück "William Ratcliff", eine ironisch-schöne Heimstatt zu geben.

Wenig unter der Sonne ist so gewöhnlich wie eine unglückliche Liebe. Darum zeigt sich der wahre Dichter daran, ob ihm bei diesem allgemeinen Vorgang?, Stillstand? des Herzens noch Wendungen und Wörter beifallen, die sein Publikum rühren, erstaunen, erschrecken, bezaubern. Und Heine war ein wahrer Dichter.

Und wollte Stückeschreiber sein. Mit Grabbe und anderen Dichterkollegen, von denen man heute nicht mehr spricht, traf er sich zum Arbeitskreise, las Immermann und Müllner, von denen man heute auch nicht mehr spricht, und wollte schnell erfolgreich sein: beim großen Publikum und bei Amalie, der Herzenstöterin, die ihn partout nicht ernst nehmen mochte.

Ein Stück muß her! Das hatte sich Heinrich Heine gedacht, und etwa 180 Jahre später dachte sich die Stadt Düsseldorf dasselbe: Ihr Dichter wird 200 Jahre alt. Man hat eine Heinrich-Heine-Allee (unweit vom Grabbeplatz), einen Heinrich-Heine-Platz, eine Heinrich-Heine- Universität, ein Institut desgleichen, eine - ach was: gleich zwei Geburtstags-Ausstellungen (die ZEIT berichtete), und schließlich gibt es hier auch ein Theater. Da muß doch was zu machen sein!