In jungen Jahren war Charlie ein echter Hallodri. Statt ordentlich zu studieren, gab er sich Wein, Weib und dem Bonner Nachtleben hin. Kaum ein Skandal rund um die Uni, in den er nicht verwickelt war - ein Duell wegen einer Liebelei wäre beinahe ins Auge gegangen. Aber zum Glück für alle Sparer und Anleger nahm er doch noch Vernunft an, verzog sich hinter seine Bücher und begann zu schreiben. Zunächst mit Unterstützung einer mächtigen Bankiersfamilie, später gesponsert von der deutschen Textilindustrie. Das stattliche Ergebnis war ein dreibändiges Werk, das noch heute Pflichtlektüre jedes Bankkunden sein sollte: "Das Kapital".

Charlie beantwortet darin nahezu alles, was Geldanleger interessiert: Wie kommt man zu Reichtum? Wie sicher sind Anleihen und Aktien? Wo kommen Zinsen und Dividenden her? Und: Lohnt sich das Ganze überhaupt?

Besonders wer sich um seine Rente sorgt, muß das Buch lesen. Nirgendwo sonst wird differenzierter dargelegt, worauf es bei der privaten Altersvorsorge ankommt. Auf die Verwandlung von Geld in Kapital nämlich. Geld bringt auf Dauer nur Gewinn, wenn man es investiert: in Unternehmen oder Immobilien zum Beispiel. Dies kann geschehen, indem man selbst einen Betrieb oder Teile davon (Aktien) kauft. Oder aber, indem man einem Unternehmer Geld leiht. In beiden Fällen werden die Ersparnisse zu Kapital und werfen Profit ab- meistens jedenfalls.

Alle Banken, Versicherungen und Investmentfonds kennen das Buch. Statt selbst zu investieren, kann man sein Geld deshalb auch ihnen anvertrauen. Sie werden es schon zu Kapital machen. Leider hat Charlie es aber nicht mehr geschafft, das Werk fertigzustellen. Vermutlich steht deshalb zwar viel darüber drin, wie Geld sich in Kapital verwandelt, aber nichts über den umgekehrten Weg.

Dabei ist es gerade für Vorsorgesparer wichtig, daß ihr Kapital im Alter wieder zu Geld wird. Kapital macht zwar reich, aber man kann damit weder Essen, Kleidung, Miete noch Autos bezahlen von Urlaub ganz zu schweigen.

Am einfachsten wäre es, das Kapital wieder zu verkaufen. Aber wem? Den vielen anderen Alten wohl kaum. Die brauchen selber Geld. Also bleiben die jungen Leute. Aber deren Geld wird ja nicht einmal reichen, um die gesetzlichen Renten zu finanzieren. Geschweige denn die privaten. Drohen die künftigen Rentner also auf ihrem Kapital sitzen zu bleiben? Oder müssen sie es zu einem Schrottpreis verscherbeln? Charlie jedenfalls hat für Kapitalbesitzer eher schwarzgesehen. Warten wir's ab.