Die Lage ist zwar ideal, genutzt wird sie allerdings nicht gerade optimal. Denn trotz unmittelbarer Nähe zum Main fehlt eine Anbindung an die Wasserstraße. Was auf den ersten Blick wie ein moderner Schildbürgerstreich der Verkehrsplaner aussieht, erweist sich als Konsequenz aus einer Planung, die sich ausschließlich an der tatsächlich vorhandenen Nachfrage orientiert.

Die Rede ist vom neuen Güterverkehrszentrum Rhein-Main-West - einem von insgesamt 39 Knotenpunkten in Deutschland, an denen die Transportmengen nach Meinung der Deutschen Bahn für den kombinierten Verkehr ausreichen. In Raunheim bei Frankfurt sollen vor allem hochwertige Stückgüter umgeschlagen werden. Vom Lkw auf die Bahn oder umgekehrt. Das Areal zeichnet sich dafür durch eine geradezu perfekte Lage aus, denn auch der Frankfurter Flughafen ist unüberhörbar nah.

Johannes Ziegler, der das Projekt in Raunheim entwickelt, hatte am Anfang potentielle Kunden, vor allem Speditionen und große Unternehmen, nach ihrem Transportbedarf befragen lassen und war nur auf wenig Interesse an der Flußschiffahrt gestoßen. "In den Augen der Verlader kann das Schiff eben nur Massengüter transportieren", sagt Johannes Ziegler.

Binnenschiffe sind jedoch durchaus in der Lage, Stückgüter zu transportieren.

Der Autohersteller Ford beispielsweise verfrachtet Neuwagen vom Werk in Köln zum rheinabwärts gelegenen Auslieferungslager in Neuß. Neckermann in Frankfurt läßt pro Jahr etwa 2500 Container per Schiff von den Seehäfen bis zu ihren Zentrallagern transportieren. Doch die Mehrheit der Kunden setzt weiter auf Straße oder Schiene.

Die Schiffseigner, sie heißen Partikuliere, tragen auch selbst Mitschuld daran, daß sie als Transporteure von Stückgut kaum Anerkennung finden. Sie setzen, Kohle- und Stahlkrise zum Trotz, unvermindert auf den Massentransport. "Er ist und bleibt das Rückgrat", betont Gerhard von Haus, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschiffahrt.

Tatsächlich machen Stückgüter nicht mal drei Prozent der Transportleistung auf Wasserstraßen aus, die im vergangenen Jahr knapp 61 Milliarden Tonnen Kilometer betrug.