Die Propellermaschine der birmanischen Fluglinie Myanmar Airlines setzt auf einer holprigen Graspiste auf, die fernab der Hauptstadt Rangun in der bewaldeten Bergregion Birmas liegt. Wir sind jedoch nicht in wegeloser Wildnis gelandet, wie das Schild an der Frontseite eines bescheidenen Holzhauses zu erkennen gibt. "Khamti airport" steht darauf. Empfangen werden wir von Soldaten, deren Zahl die unserer kleinen Reisegruppe weit übersteigt.

Die Kontrollen sind penibel, immer wieder werden unsere Papiere hin- und hergewendet, argwöhnisch studieren die Uniformierten ein Empfehlungsschreiben des birmanischen Kultusministers. Aber schließlich dürfen wir passieren und werden zu einem einfachen Gästehaus geführt.

Wir befinden uns im Nordwesten Birmas, an der Grenze zu Indien.

Hier leben die Nagas, ein Volk, das zu den ethnischen Minderheiten dieser Gebirgsregion gehört und von dem so wenig bekannt ist, daß es selbst in der wissenschaftlichen Literatur kaum erwähnt wird. Sein angestammtes Territorium, in das es vor Tausenden von Jahren aus der Mongolei einwanderte und in dem es seither lebt, gehört heute teils zu Indien, teils zu Birma. Beide Länder gehen hart gegen die Nagas vor, wenn es gilt, deren Autonomiebestrebungen zu unterdrücken.

Vor der UN-Kommission für Menschenrechte in Genf gab Anfang dieses Jahres der im Exil lebende Vertreter der indischen Nagas, Isaak Chishi Swuy, zu Protokoll, über Nagaland sei vor einem Jahr der Ausnahmezustand verhängt worden. Um jeden Versuch der Nagas, ihre Eigenständigkeit wiederzuerlangen, sofort zu unterdrücken, seien beiderseits der Grenzen militärische Operationen durchgeführt worden. Dabei hätten 200 000 Soldaten der indischen Besatzungsmacht die 50 000 Mann starke Spezialtruppe der Birmanen verstärkt.

Die Allgegenwart der Sicherheitskräfte spüren auch wir. Sie lassen uns keine Minute aus den Augen und beobachten das Gästehaus, das nur wenige Meter entfernt vom Fluß Chindwin liegt. Er trennt die als zivilisiert geltenden Nagas auf unserer Seite von den "nackten Nagas", die jenseits des anderen Ufers leben.

Allmorgendlich kommen sie über den Fluß, leicht geschürzt und über und über tätowiert. Sie wissen, daß ihr Aussehen auf dieser Flußseite Mißbilligung erregt. Denn rot gepinselte Parolen an den Häuserwänden machen in Khamti darauf aufmerksam, was alles verboten ist. Den Nagas wird da auch bedeutet, daß sie nur in ordentlicher Kleidung auf dem Markt erscheinen dürfen.