Bis jetzt glaubte Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt wohl, die Interessen der deutschen Wirtschaft zu vertreten, wenn er die steuerliche Absetzbarkeit von Schmiergeldzahlungen ermöglicht. Zwar lautete die offizielle Version des Ministers immer, Korruption sei unstatthaft. Die Steuervergünstigungen könnten aber nur im Rahmen einer völkerrechtlich verbindlichen Konvention abgeschafft werden. Doch die wird sobald nicht kommen.

Für seine Position mußte Rexrodt bereits heftige Schelte aus den Vereinigten Staaten einstecken. Dort wirft man Deutschland "staatliche Subventionierung der Korruption" vor. Doch nun kommt es noch dicker: Auf Initiative von Transparency International (TI), einem Verein zur Bekämpfung von Korruption, fordern auch Wirtschaftsführer europäischer Konzerne ein Ende der umstrittenen Praxis. Marcus Bierich (Bosch), Harald Rieger (Metallgesellschaft), Mathias Kleinert (Daimler-Benz), Marco Tronchetti Provera (Pirelli), Etienne Vicomte Davignon (Société Générale de Belgique), Wilfried Kaiser (ABB) und andere fordern, daß die "steuerliche Absetzbarkeit von Schmiergeldzahlungen an staatliche Stellen schnell und gemeinsam" von europäischen Staaten abgeschafft werden müsse.

Der Brief der Topmanager könnte schon bald für Zündstoff sorgen. Am kommenden Montag nämlich werden die OECD-Minister wieder über das Thema diskutieren. Ob Rexrodt das Papier wohl im Gepäck hat?

Es wäre ein paradoxes Ergebnis des Wettbewerbs: Die Telekom soll ihre Preise für die Standardauskunft von Telephonnummern erhöhen. Das fordert jedenfalls die Telegate AG, die selbst seit August vergangenen Jahres diesen Service offeriert. Die Dienstleistung würde von dem ehemaligen Monopolisten zu billig angeboten und das verzerre nun den freien Wettbewerb, so die Argumentation der Telegate-Manager.

Allerdings fürchten sie wohl zu Recht, daß eine Preiserhöhung ein falsches Signal aussenden würde. Denn schließlich sollen im Zuge der Liberalisierung die Preise fallen und nicht steigen. Die Telekom, so lautet deshalb ein weiterer Vorschlag, solle im Gegenzug die Grundgebühren fürs Telephonieren senken.

Eine solch drastische Änderung der Gebührenstruktur lehnt der Fernmelderiese rigoros ab. Gleichwohl wird er demnächst seine weithin bekannte Nummer 011 88 für seinen Auskunftsdienst verlieren. Denn, um allen Einsteigern in dieses Geschäft wenigstens bei den Ziffern gleiche Chancen zu geben, werden neue Servicenummern unter den Interessenten Anfang Juni verlost.

Darüber dürfte sich wohl vor allem einer freuen: Christian Schwarz-Schilling, der ehemalige Postminister. Er zählt nämlich heute zu den Gesellschaftern von Telegate.