Der Berliner Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) will Graffiti-Sprayer damit bestrafen, daß sie die Wände selbst reinigen müssen. Der Vorschlag ist derart plausibel, daß seine Verwirklichung scheitern muß. Es ist nämlich, um ein anderes Beispiel zu erwähnen, noch fast keiner Stadtregierung gelungen, die Hundebesitzer für die Untat ihrer Tiere verantwortlich zu machen. Manchmal klebt was am Schuh. Manchmal stört es einen, daß die frisch renovierte Kirchenfassade blaue Kringel hat. Damit leben wir, und geht es uns schlecht?

Na also.

Schönbohm wird dem Einwand begegnen, daß die Tat des Sprayers, anders als die des Hundes, Kunst sei und insofern schutzwürdig.

Als der Zürcher Sprayer Harald Naegeli Anfang der achtziger Jahre inhaftiert wurde, ergriffen namhafte Schriftsteller und Künstler Partei für ihn. Die Fassaden, die er besprühte, gehörten ihm zwar nicht, aber das war nur deshalb ein Problem, weil er am Anfang einer Bewegung stand. Denn auch die Gehsteige gehören den Hundebesitzern nicht, aber die öffentliche Defäkation genießt, durch Gewohnheitsrecht, nahezu Verfassungsrang.

Wer keinen Hund hat und keine Sprühdose, den beißen die Hunde.