Wissenschaft: Das Wort allein heischt Ehrfurcht vor der Objektivität. Doch ausgerechnet eine nach allen Regeln der Wissenschaft erarbeitete Studie wirft nun einen Schatten auf die Lichtgestalt.

Christine Wenners und Agnes Wold von der Universität Göteborg haben einen statistisch geschärften Blick auf das Innerste der Wissenschaft geworfen: auf die peer review. Der Begriff bezeichnet das wissenschaftsübliche Verfahren, in dem anonyme Gutachter ihr Votum darüber abgeben, ob eine Arbeit veröffentlicht werden oder ein Forscher Geld bekommen soll.

Die beiden Schwedinnen erhielten Zugang zu den Akten sämtlicher peer reviews, die im Jahre 1995 über die Aufnahme von Post-Docs in den medizinischen Forschungsrat des Landes mitentschieden haben. Das Ergebnis ist die erste empirische Studie über peer reviews, der interne Originaldaten zugrunde lagen. Und es ist erschreckend: Frauen wurden durch die Bank schlechter bewertet als Männer mit gleicher wissenschaftlicher Produktivität (diese wiederum wurde für die Studie nach sechs meßbaren Kriterien beurteilt).

Außerdem wurden Antragssteller, die berufliche Verbindungen zu den Gutachtern hatten, signifikant besser beurteilt.

Die Studie erschien in der Zeitschrift nature (Bd. 387, Nr. 6631, S. 327ff.).

Das Blatt ist peer reviewed.