Noch vor Monaten wäre das eine glatte Kriegserklärung gewesen. Bevor der Akademische Senat der TU Berlin überhaupt mit der Diskussion des Tagesordnungspunktes "Hochschulverträge" begonnen hatte, erklärte der neue Präsident Hans-Jürgen Ewers, daß er möglicherweise das Ergebnis ignorieren werde. Er sei entschlossen, den Vertrag auf jeden Fall zu unterschreiben - doch statt Protest und Türenschlagen beschränkten sich die Senatsmitglieder nur noch darauf, ihre "Bauchschmerzen" gegenüber den Verträgen zu Protokoll zu geben.

Tatsächlich findet gegenwärtig eine wilde Flucht der Berliner Hochschulen unter das Dach der Hochschulverträge statt. Schließlich garantieren sie die nächsten vier Jahre Planungssicherheit: In den Verträgen werden immerhin die staatlichen Zuwendungen festgelegt. Und es geht buchstäblich um Tage, denn nach der jüngsten desaströsen Steuerschätzung droht die nächste pauschale Minderausgabe. Für den SPD-Fraktionschef Klaus Böger haben die Verträge daher "oberste Priorität". Schließlich seien die Hochschulen als einzige staatliche Institution des Landes damit vor künftigen Sparrunden geschützt.

Das hektische Treiben trennt indes die Aufmerksamkeit von Wichtigerem ab: Die Hochschulen treten wieder als handelndes Subjekt der Hochschulpolitik auf. Es kündigt sich geradezu eine Reformkonkurrenz der drei großen Universitäten an, vorangetrieben von oben, von starken Präsidenten. Wer sich an die Lage und die Schlagzeilen vom Dezember 1996 erinnert, muß gar an ein Wunder glauben.

Vor fünf Monaten schien die große Koalition noch auf dem Wege, mindestens eine Universität dem Sparfuror zu opfern. Vertrauliche Papiere mit Horrorzahlen kursierten, wonach in Zukunft nur noch 60 000 Studienplätze finanziert würden. Die Hochschulen drohten mit Schließung der Präsident der Humboldt-Universität, Hans Meyer, rief eine neue Studentenrevolte aus, mit ihm an der Spitze.

Zur Symbolfigur für den Vertrauensverlust wurde Peter Radunski, der Wissenschafts- und Kultursenator. Erst gelobt, als "CDU-68er", als Politprofi, beinahe zärtlich zum "politischen Kugelblitz" ernannt, verwandelte er sich zum Markenzeichen für hochschulpolitische Stümperei - allhier am falschen Platz, lieber in Premieren und im Gespräch mit Schülerzeitschriften als bei Auseinandersetzungen in den Universitäten. Ihm wurde das wilde Dilettieren mit Reformideen und undurchdachten Einsparungen vorgeworfen. Es hieß, er könne sich nicht gegen die Finanzsenatorin Anette Fugmann-Heesing durchsetzen. "Das Klima ist versaut", konstatierte die grüne Hochschulpolitikerin Sibylle Volkholz, doch inzwischen hat sich dieses Urteil relativiert. Die Universitätspräsidenten geben zu verstehen, daß Radunski offenbar dazulernen könne.

Der Generalvorwurf, der Senat spare ohne Konzept, ist zwar nicht falsch, er umhüllt jedoch einen unrealistischen Anspruch. Kein Senator hätte den Versuch überlebt, eine Reformkonzeption der Hochschulen durchzusetzen, die zugleich ein Sparvolumen von 950 Millionen Mark bis zum Jahre 2003, das heißt ein Drittel des Haushaltes einschließt. Solche Sparzwänge transzendieren allemal die Kompetenz der bisherigen Politik.

Daß Hochschulen und Politik dennoch auf eine vertragliche Basis zurückfanden, ist dem Vorschlag des SPD-Fraktionschefs Klaus Böger zu verdanken: Berlin erlaubt den Verkauf der von Universitäten genutzten Grundstücke und garantiert damit eine Überbrückungsfinanzierung, vor allem für die von 2000 an hochschnellenden Personalkosten des Mittelbaus. Fünfzig Prozent der Erlöse sollen den aktuellen Haushalten zukommen und der andere Teil in einen revolvierenden Innovationsfonds einfließen, aus dem Kredite aufgenommen werden können.