Macht Jerry Sanders sich nur selber Mut? "Das ist ein Kampf zwischen Gut und Böse", tönt der Chef des kalifornischen Chipherstellers Advanced Micro Devices (AMD). "Es ist wie die Rückkehr der Jedi-Ritter. Und wir sind die Jedi."

Der Vergleich mit den Helden der jüngst neu aufgelegten Filmserie "Krieg der Sterne" ist nicht völlig abwegig. Noch vor einem Jahr hätten Branchenkenner über solche Sprüche nur gelacht. Damals war der neue AMD-Chip K5 gerade spektakulär auf dem Markt durchgefallen. Der Umsatz stürzte um ein Fünftel ab, der Aktienkurs gar um fast drei Viertel.

Doch jetzt ist AMD plötzlich wieder obenauf. Als erstes Unternehmen seit langem, so versichern Experten, könnte AMD sogar den Chipriesen Intel in Bedrängnis bringen: Der neue Chip K6 rechnet nicht nur fast so schnell wie der kürzlich vorgestellte Pentium II von Intel, sondern kostet auch wesentlich weniger.

Seit Jahren beherrscht Intel unumschränkt den Markt der Mikroprozessoren für Computer, die mit dem Betriebssystem Windows laufen. Über neunzig Prozent des Umsatzes landeten im vergangenen Jahr in seinen Kassen. AMD brachte es dagegen nur auf drei Prozent, den kärglichen Rest teilen sich einige kleinere Konkurrenten. Mit dem K6 könnte der Anteil nun kräftig steigen.

Auf solche Aussichten freut sich auch Dresden. Dort baut AMD gerade eine der modernsten Chipfabriken der Welt, in der ab 1999 auch der K6 hergestellt werden soll. Angelockt von 800 Millionen Mark Zuschüssen und einer Milliardenbürgschaft des Landes, will das Unternehmen 1400 Arbeitsplätze schaffen.

In Austin im amerikanischen Bundesstaat Texas hat AMD schon 1994 eine solche Fabrik hochgezogen: Die "Fab 25" breitet sich auf fast neun Hektar aus, einer Fläche so groß wie zwölf Fußballfelder. Mit 1,3 Milliarden Dollar Baukosten war sie eine der teuersten der Branche.