Vor geraumer Zeit, es mögen zwanzig Jahre her sein, wurde der ZEIT ein Rokoko-Bilderrahmen aus dem legendären Bernsteinzimmer angeboten, das seit 1944 verschollen ist. Unsere Gegenleistung sollte aus einer Notiz im Zeitspiegel bestehen: "Wir haben das Bernsteinzimmer gefunden."

Dieser Tage nun erstrahlte es im wärmsten Glanze auf einer halben Titelseite der Bild-Zeitung und mitten darin das elektrisierende Wort: "Gefunden!" Aber eben nicht das Objekt, nach dem unzählige Schatzgräber aus aller Welt seit Jahrzehnten suchen, sondern eines der vier goldumrahmten Marmormosaiken, von denen die Wehrmacht 1941 nach ihrem Beutezug nur drei in Königsberg abgeliefert haben soll. Nun ruht das Fundstück, das auf dem grauen Kunstmarkt für 2,5 Millionen Dollar gehandelt wurde, im Asservatenraum des Potsdamer Polizeipräsidiums. Der Spiegel hat schon mal Boris Jelzin informiert, der ja ganz genau weiß, wo das Zimmer zu finden ist.

Aber will er es, wollen wir es überhaupt? Was machten wir in diesen trüben Zeiten ohne unsere Träume von einem verborgenen, unendlich schönen Schatz und ohne all die bunten, aufregenden Geschichten, die sich darum ranken . . .