Die Revolution kam unbemerkt. Eine kleine blaue Box neben blitzblanken elektronischen Gerätetürmen. Niemand nahm von ihr Notiz, niemand wußte, wer sie da abgestellt hatte. Eines Morgens hob ich sie aus lauter Langeweile auf meinen Arbeitstisch. Die Schalterchen und Lämpchen auf der Frontplatte erinnerten mich entfernt an den Minicomputer PDP-8. Doch weder Bildschirm noch Konsolschreibmaschine, noch Drucker waren hier in Sicht, bloß ein Wisch Papier, eine Funktionsbeschreibung. Das sollte ein Computer sein?

Ich schaltete ein paar Befehle in den offenbar vorhandenen internen Speicher - Maximalausbau 4096 Byte, wie sich später erwies - und warf, indem ich mit dem Daumennagel eine winzige Taste drückte, die kleine Programmschleife an.

Meine Software las die Stellung eines Kippschalters über den digitalen Eingang und schaltete über den digitalen Ausgang eine Leuchtdiode an und aus. Eine bahnbrechende Anwendung, ich hätte den Computer durch einen Draht ersetzen können. Doch viele Jahre später darf ich mir für das Experiment auf die Brust trommeln: Ich hatte den ersten Mikroprozessor der Welt programmiert.

"A micro-programmable computer on a chip!", so warb eine vollkommen unbekannte Firma namens Intel im ersten Inserat für dieses Produkt. Es erschien am 15. November 1971 in der Zeitschrift Electronic News. Die Schlagzeile versprach den Anbruch "einer neuen Ära integrierter Elektronik".

Mit reichlicher Verzögerung schlich sich die Revolution auch in das Prüflabor, in dem ich damals arbeitete. Bald warfen wir einen guten Teil unserer alten fest verdrahteten Steuerungen in den Abfalleimer und setzten an ihrer Stelle Software auf dem Mikrochip ein. Die Ultraviolettlampe, mit der man damals noch fehlerhafte Programme aus den Eprom-Speicherbausteinen löschte, strahlte von früh bis spät.

Die Geschichte des Mikroprozessors hatte mit dem japanischen Tischrechnerhersteller Busicom begonnen, der sich von Intel Mitte 1969 eine Familie integrierter Schaltungen für ein neues Rechnermodell wünschte. Intel war ein Neuling in der Branche; die Gründer Robert Noyce, Gordon Moore und Andrew Grove waren erst ein Jahr zuvor bei Fairchild Semiconductors ausgestiegen, um in einer ehemaligen Birnbaumplantage im kalifornischen Santa Clara Valley ihre eigene Firma zu gründen; sie nannten sie Intel für "Integrated Electronics" oder auch "Intelligence". Intel entwarf und baute Speicherchips.