Nein, Medienwächter möchte er nicht gern genannt werden. Das erinnere ihn an Nachtwächter. Kontrolleur, sagt Norbert Schneider, das wäre schon eher "ein angemessener Begriff, wenn es wirklich etwas präzise zu kontrollieren gäbe".

Weil aber in dieser Medienwelt im Umbruch nicht mehr vieles präzise ist, zieht er für seine Arbeit "weiche Kontrolle" vor. Überzeugen statt monieren, überreden statt abstrafen. Aber mit gesellschaftlicher Perspektive: "Ich habe mit dafür zu sorgen, daß die mediale Entwicklung in einem weiteren Sinne gesellschaftsverträglich verläuft."

Norbert Schneider ist Direktor der Landesanstalt für Rundfunk in Nordrhein-Westfalen (LfR). In dieser Funktion beaufsichtigt er die kommerziellen Hörfunk- und Radiosender des Landes. Die Landesmedienanstalt mit ihren knapp fünfzig Mitarbeitern residiert gleich hinterm Düsseldorfer Hauptbahnhof. Dort hat man einen guten Blick auf die Stadt und ins rheinische Hinterland, ins Sendegebiet, ins Medienland NRW.

Die LfR ist die größte der fünfzehn Landesmedienanstalten. Vor nunmehr zehn Jahren wurde sie als Anstalt öffentlichen Rechts gegründet. Sie wird finanziert aus einem zweiprozentigen Anteil an den Rundfunkgebühren und verfügt über einen Haushalt von dreißig Millionen Mark. Wie die anderen Anstalten ist sie ein Produkt des Rundfunkstaatsvertrags von 1987, mit dem das duale System und der kommerzielle Rundfunk sanktioniert wurden. Die Landesmedienanstalten sollen überwachen, Lizenzen erteilen, auf die Einhaltung von Programmgrundsätzen und Werberegeln achten und die Ökonomie, die Verflechtungen und verschachtelten Besitzverhältnisse im Blick halten.

Letzteres ging, wie man weiß, schief. Die Bildung der "Senderfamilien" Bertelsmann und Kirch war mit den alten Konzentrationsregeln nicht aufzuhalten. Mit den neuen werden sie schlicht bestätigt. Die jüngste Novellierung der Rundfunkgesetze schlug den Konzernen fast gänzlich freie Bahn - und die alten Kontrolleure verloren eine Aufgabe: mit der Medienkonzentration auf neuem Niveau wird sich künftig die KEK befassen, die Kommission zur Ermittlung der Medienkonzentration.

Noch steht freilich im Portefeuille der Kontrolleure, daß sie notfalls einem Sender sogar die Lizenz entziehen können. Das klingt gewaltig, war aber nie richtig ernst gemeint. Am falschen Eindruck sind sie selbst nicht unschuldig. Sie hätten, sagt Schneider, "nicht nachhaltig genug dem Eindruck widersprochen, sie wären in der Lage, jederzeit einem deutschen Fernsehveranstalter das Licht auszuknipsen. Das ist eine Fiktion."