Man muß kein Feind des Hauses sein, wenn man der Akademie von Berlin-Brandenburg trostlose Wahrheiten unter die Nase hält. Namhafte Mitglieder haben die Flucht ergriffen die von Walter Jens hingebungsvoll durchgesetzte Ost-West-Vereinigung ergraut im Burgfrieden freudloser Eintracht. Jetzt half der traurigen Akademie der Künste ein ungeschminkter Blick in den Spiegel.

Sie hat, ziemlich spektakulär, einen europäischen Geist, den ungarischen Schriftsteller György Konrád, zum Präsidenten gewählt und damit Souveränität über ihre stadtbekannte Einfallslosigkeit bewiesen.

Konrád, ein melancholischer Intellektueller, hat das Verhältnis von Geist und Macht am eigenen Leib durchlebt. Nach allem, was ihm unter dem Nationalsozialismus und dem kommunistischen Regime widerfuhr, weiß der Jude aus Budapest, wovon er spricht. Kunst verkörpert für ihn nicht das höhere Bewußtsein der Politik.

Aber ohne die Leidenserfahrung der Kunst ist Politik nur eine gedächtnislose Veranstaltung. Geistige Staatsberatung lehnt Konrád ab. Falls er nicht nur symbolisch präsidiert, kann die Akademie Wurzeln in die Zukunft schlagen. Sonst wäre sie überflüssig.