Es war Hermann Hesse, der den Kontakt zwischen Peter Suhrkamp und der Familie Reinhart hergestellt hatte. Seit 1950 waren die Schweizer Balthasar und Peter Reinhart reich geworden durch Baumwolle und Kaffee, auch Teilhaber des Verlags von Peter Suhrkamp. Der Umsatz des Verlags lag zu Beginn bei 800 000 Mark im Jahr, jetzt bewegt er sich auf 100 Millionen zu. Der Sohn Peter Reinharts, Andreas, hält bis heute 50 Prozent der Suhrkamp-Kommanditgesellschaft jetzt will er seinen Anteil loswerden. Die Gründe sind nicht völlig klar, aber das Verhältnis zwischen dem jüngeren Reinhart-Erben und dem älteren Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld ist schon seit langem erkaltet. Die Bestallung des neuen Verlagskoordinators Thedel von Wallmoden zum Beispiel hat Unseld vorgenommen, ohne den Gesellschafter Reinhart zu konsultieren - was er auch nicht mußte, da Unseld in der Verlagsleitungsgesellschaft die Mehrheit und also die alleinige Zuständigkeit hat. Man konnte aber auf den Gedanken kommen, daß Unseld in einem herzlichen Einvernehmen mit Reinhart nicht mehr sein höchstes Ziel sah und daß ihm die Verkaufsabsichten des Kompagnons nicht ungelegen kamen. Jedenfalls spricht Unseld von "Entfremdung". Er legt Wert auf die Feststellung, daß die Reinharts vierzig Jahre lang Gewinne aus ihrer Beteiligung gezogen hätten und daß von Mäzenatentum keine Rede sein könne.

Unseld läßt wissen, daß er gewillt sei, die 50 Prozent selber zu erwerben. Dann besäße er 80 Prozent, sein Sohn Joachim, dessen Nachfolge im Verlag nach einem tiefen Zwist ausgeschlossen scheint, 20 Prozent. Siegfried Unseld will nach eigenem Bekunden diese 80 Prozent einer Unternehmensstiftung übertragen, so daß der Zugriff anderer Interessenten unmöglich wäre. Jetzt geht es ums Geld, um eine Summe zwischen 20 und 30 Millionen. Die Verhandlungen darüber sind, wie es heißt, einstweilen "unterbrochen". Reinhart verlangt nämlich zusätzlich die Abgeltung der Steuerlast, die er nach schweizerischem Recht zu tragen hat. Reinharts Problem: Er kann, laut Gesellschaftervertrag, seine Anteile nur den beiden Unselds anbieten. Wenn die sich einig sind, kommt Zeit, kommt Rat, kommt Geld, und Siegfried Unseld wird, was er ist: Herr im Hause Suhrkamp.